Graz-Wahl 2003: Zwischen Chance und Hypothek
Das vielfach überraschende Ergebnis wirkt bis zum heutigen Tag nach.

Foto © APASiegfried Nagl
Das Blitzlichtgewitter und die Klopfgeräusche auf den Schulterpolstern des Sakkos waren das, was sich Siegfried Nagl erträumt hatte. Und der Lohn für 36,1 Prozent der Stimmen, immerhin ein Plus von 12,9 Prozent.
Irgendwie komisch.
Dennoch war es irgendwie komisch: Denn obwohl Nagl für seine Grazer ÖVP gerade den Sieg eingefahren und der SPÖ den Bürgermeistersessel entrissen hatte, wurden die Mikrofone immer öfter in eine andere Richtung gedreht.
Show gestohlen.
Ja, KPÖ-Chef Ernest Kaltenegger stahl an diesem Wahlsonntag im Jänner 2003 dem neuen Bürgermeister beinahe die Show. War doch ausgerechnet ihm der höchste Gewinn an Wählerstimmen gelungen: Mit einem Plus von exakt 13.870 Stimmen katapultierte er die Grazer Kommunisten gleichsam aus dem Stand an die dritte Stelle. Ein zweiter Stadtrat war der KPÖ gewiss - samt internationalen Schlagzeilen.
Überredungskunst.
Wie sich später zeigen sollte, hatte die KPÖ vor allem "blaue" Wähler erfolgreich zur Wanderschaft überredet. Mit einem Minus von fast 19 Prozent schlitterte die FPÖ in ein Wahldebakel - und hochkant aus der Stadtregierung hinaus.
Nachfolge.
Dort hatte sich auch schon SP-Chef Walter Ferk gesehen, ganz oben versteht sich. Doch zur Nachfolge von Langzeit-Bürgermeister Alfred Stingl sollte es nicht reichen: 25,9 Prozent bedeuteten ein Minus von fünf Prozent der Stimmen. Was weit mehr schmerzte: Zum ersten Mal seit 1945 rutschte somit die Sozialdemokratie in Graz auf Platz zwei.
FPÖ überholt.
Weitere zwei Ränge dahinter landeten die Grünen: 8,3 Prozent (+ 2,7) reichten diesmal tatsächlich, die FPÖ zu überholen - doch während man im Rückspiegel auf den vermeintlichen Konkurrenten schielte, brauste die KPÖ links vorbei.
Mit Karacho. Hin zu den Mikrofonen.














