FH-Streit: Kapfenberger Bürgermeisterin wehrt sich gegen Vorwürfe
Mit dieser Art der Argumentation habe man der gesamten Region den Wert abgesprochen, und immerhin sei die Region zwischen Leoben und Mürzzuschlag der zweitgrößte Wirtschaftsraum Österreichs nach Linz.

Foto © Thomas HuberDie FH in Kapfenberg
Die Form der Auseinandersetzung in der Causa Verlegung von FH-Studiengängen von Graz nach Kapfenberg sei falsch gelaufen, meinte die Bürgermeisterin der obersteirischen Stadt, Brigitte Schwarz (S), am Mittwoch in einem Pressegespräch. Ihr sei es ein Anliegen, dass der FH-Standort Kapfenberg erhalten bleibe. Klar sei, dass man als Kommune bei allem Wunsch nach Einbindung nicht über die Inhalte der Studiengänge entscheiden könne - aber eventuelle neue Studiengänge müssten zum Gesicht der Region passen, wie etwa Design, so Schwarz.
Hochkarätige Region. Im Bereich zwischen der Universitätsstadt Leoben mit der Montanistik und den Industriestandorten von Bruck/Mur über Kapfenberg und Kindberg bis Mürzzuschlag gebe es genug hochkarätige Unternehmen von Weltruf, wie Böhler-Uddeholm, Boehlerit oder Pankl. Da sei in Kooperationen viel anzusetzen, so die Bürgermeisterin. Es sei auch nicht zutreffend, wenn Kapfenberg an den Rand der Steiermark und in den Ruf eines abgelegenen Kaffs gerückt werde.
Innovativ. "Speziell in technologischen Lehrgängen kann in Zeiten des Internet Entfernung von der Landeshauptstadt keine standortentscheidende Frage mehr sein", sagte Schwarz. Ein hier tätiger Manager habe ihr erzählt, dass er im Gegensatz zu seinen früheren Jobs in Metropolen die kurzen Entfernungen schätze: "Eine halbe Stunde nach Graz oder eineinhalb Stunden nach Wien in die Oper, je nachdem - oder in fünf Minuten in der freien Natur, plus ein hohes Maß an Sicherheit, und ein breites Freizeit- und Kulturangebot in der Region, hat der Mann geschwärmt", erzählte die Bürgermeisterin. Mit dem Flair von Graz könne und wolle man nicht mithalten, aber von der wirtschaftlichen und innovativen Leistung her brauche man sich nicht zu verstecken.
Millionen-Beiträge. Kapfenberg leiste ja auch seinen Beitrag, mit 18 Millionen Euro zur Errichtung von FH und Studentenheim sowie einem Budgetposten von 1,7 Millionen Euro jährlich für die Fachhochschule. Der Vorwurf, dass es etwas weitere Wege in die Zentren von Kapfenberg und Bruck gebe, gelte nicht: "Wir haben auch einen Innenstadt-Standort für das Studentenheim vorgeschlagen, aber uns wurde gesagt, dass die Studenten die FH auch 'mit Patschen' erreichen können müssen." Man habe sich damals Wünschen gebeugt, die man sich nun als Vorwürfe gefallen lassen müsse. Sie habe Verständnis für die Anliegen von Studierenden und Lehrenden, aber auch nach Graz zu den FH-Lehrgängen würden viele als Pendler kommen müssen.
Parteipolitik. Innerhalb der SPÖ sei die Diskussion über die Verlegung der Studiengänge jedenfalls nicht geführt worden, zumindest nicht mit der SPÖ-Bruck/Kapfenberg, erklärte die Bürgermeisterin. Sie wundere sich aber, wie mit Bildungslandesrätin Bettina Vollath (S) in den Grazer Medien umgesprungen worden sei. Die bevor stehende Gemeinderatswahl in Graz Anfang 2008 werde dabei wohl auch eine Rolle gespielt haben.
Features
Ihre Meinung dazu
Zum Thema
Ursprüngliche Pläne
Von Kapfenberg nach Graz sollten folgende Studien-
richtungen kommen: Infrastrukturwirtschaft, Elektronik und Technologie-
management sowie Internettechnik
Von Graz nach Kapfenberg sollten kommen: Journalismus- und Unternehmenskommuni-
kation, Informationsdesign sowie Industrial Design. In Kapfenberg ist ein "Design-Cluster" geplant.
















