"Superhefe" aus Graz bringt neuen Schwung in Industrie
Enzyme werden schneller und umweltschonender hergestellt - VTU kauft Grazer TU-Patent und will weltweit vermarkten.
Große Hoffnung setzt das steirische Unternehmen VTU auf ein in Graz neu entwickeltes Verfahren, das Enzyme schneller und umweltschonender herstellt. An der Technischen Universität Graz wurde eine "Superhefe" entwickelt, mit deren Hilfe bisher schwer zugängliche Enzyme für u.a. Prozesse in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie in großen Mengen erzeugt werden können, teilte die Forschungsholding der TU Graz am Dienstag mit.
Kuchen. Hefe kennen die meisten von Kuchen, Brot oder Bier. Doch damit ist viel mehr zu machen: Hefezellen sind die Fabriken schlechthin zum Herstellen von Enzymen - Biokatalysatoren, mit deren Hilfe Produkte für Medizin, Lebensmitteltechnologie, Papier- oder Lederindustrie u.v.m. produziert werden. Während bisher viele Enzyme mühsam und in kleinen Portionen beispielsweise aus Pflanzen gewonnen werden mussten, kommt nun das neue Herstellungssystem der TU Graz ins Spiel, und viele interessante Enzyme werden so erstmals für Anwendungen in der Praxis verfügbar.
Institut. Anton Glieder vom Grazer Institut für molekulare Biotechnologie, an dem das Verfahren entwickelt wurde, erklärt das Funktionsprinzip: Der genetische Code des gewünschten Enzyms wird in eine Hefe namens Pichia pastoris eingeschleust. Zuvor allerdings setzte Projektbetreuer Franz Hartner vor die Enzym-DNA einen Genabschnitt, welcher der Hefe sagt, dass sie eben dieses Enzym im Überfluss produzieren soll. Gleichzeitig funktioniert der zusätzliche Genabschnitt wie ein Schalter: Sobald der Hefe nach einem üppigen Wachstum Zucker als Futter entzogen wird, wird die Enzymproduktion angeworfen. Die Hefe erzeugt nun in großer Menge das gesuchte Enzym und stößt es in hoher Reinheit und Qualität ab. Hartners Leistung, der am steuernden Genabschnitt drei Jahre forschte, war der Industriellenvereinigung der Jungforscherpreis 2006 wert.
Forschungsergebnis. Die VTU Engineering GmbH macht sich nun Glieders und Hartners Forschungsergebnis zunutze. Das Grambacher Unternehmen kaufte das Patent für das neue Produktionssystem. "Die Nachfrage nach Enzymen für biokatalytische Prozesse steigt rasant, weil sich damit hochwertige Produkte herstellen lassen", ist Michael Koncar, VTU-Geschäftsführer und selbst ehemaliger Absolvent der TU, überzeugt. Die mögliche Produktionspalette der so neu herstellbaren Enzyme reicht von Wirkstoffen für die Pharmaindustrie über die Lebensmittel-, Kosmetik-, Papier- und Zellstoffindustrie bis hin zu therapeutischen Anwendungen, heißt es von Seiten der TU.
















