Chefs für Scheinfirmen im Ausland angeheuert
Die kürzlich in der Steiermark aufgedeckte Baumafia gründete eine Scheinfirma nach der anderen - und das viele Jahre hindurch.
Die Gründung der Scheinfirmen in Wien und der Steiermark ging reibungslos über die Bühne. Dass die Geschäftsführer und Gesellschafter alle aus dem Ausland kamen und kaum ein Wort Deutsch sprachen, interessierte die Notare offensichtlich nicht. Die meisten Verträge wurden ohne Beiziehung eines Dolmetsch ausgearbeitet und unterschrieben.
Ermittlungsakten. Das ist nur ein Detail aus den Ermittlungsakten gegen eine organisierte Baumafia, die ihren Hauptsitz im Großraum von Graz hatte. Eine Sonderermittlungsgruppe der Polizei brauchte Monate, bis das Netzwerk zerschlagen werden konnte (wir berichteten). Inzwischen laufen am Landesgericht Graz vier Verfahren gegen 41 Verdächtige. Die Drahtzieher im Hintergrund sind bosnische und serbisch-montenegrinische Staatsbürger, die seit Jahren in der Steiermark leben. Sie heuerten in ihren Heimatländern Strohmänner für ihre Scheinfirmen in Österreich an. "Meistens waren es ausländische Arbeiter, die die Funktion der Geschäftsführer und Gesellschafter übernahmen", sagt Ermittlungsleiter Herbert Erkenger von der Betrugsgruppe des Landeskriminalamtes. "Diese Männer waren dann für die Geldbehebungen zuständig."
Bauarbeiten. So funktionierte der Ablauf: Generalunternehmen vergaben Bauarbeiten an die vermeintlichen Subfirmen und zahlten für jeden Arbeiter zwischen 21 und 26 Euro pro Stunde. Der Arbeiter bekam aber nicht mehr Stundenlohn als zehn bis maximal 15 Euro. Der Rest ließ die Kasse der kriminellen Organisation klingeln. Rasch gingen die Scheinfirmen in Konkurs, neue wurden gegründet. Der Schaden inklusive der hinterzogenen Sozialabgaben: Mindestens 60 Millionen Euro. Wolfgang Genser, von Beginn an in der Sonderermittlungsgruppe tätig, spricht von bestens organisierten Strukturen, die seit Jahren gut funktioniert haben. Erstmals habe man nun "sehr tief vordringen" können.
Hinweise. Die Ermittlungen gehen aber noch weiter - und die Kripo ersucht unter der Telefonnummer 0 59 133 60 3040 um Hinweise. Die Namen der Informanten werden streng vertraulich behandelt.

















