Luxus-Pharmafest ist Fall für den Strafrichter
Im September 2005 sorgte pompöses Fest für eine neue Pharma-Firma in Graz für Aufsehen. Feier hat Nachspiel: Staatsanwalt klagt Firmenchef an, es geht um Betrug und 660.000 Euro.
Vor den Toren von Graz sollte ein Pharma-Zentrum mit hunderten Mitarbeitern entstehen, im Internet eine Apotheke - und entsprechend pompös fiel die Präsentation der Firma "medicorp" in der Helmut List-Halle aus: Neben US-Forscher John Naisbitt nahm etwa der Quantenphysiker Anton Zeilinger auf der Couch Platz, als Moderator führte ORF-Mann Roman Rafreider durch den Abend, Markus Schirmer spielte Klavier.
Veranstalter. Jetzt könnte der Veranstalter, Hermann Kostis, aber im Gefängnis landen. "Wir haben die Anklage fertiggestellt", bestätigt Staatsanwalt Walter Plöbst. Es gehe um schweren, gewerbsmäßigen Betrug (bis zu zehn Jahre Haft) und einen Gesamtschaden von 660.000 Euro. Die Hälfte der Summe dürfte aus offenen Rechnungen der Luxus-Feier im September 2005 stammen.
Geschäftsführer. 14 Tage hat der "medicorp"-Geschäftsführer nun Zeit, Einspruch gegen jene Anklage zu erheben, gegen die er sich schon bisher erbittert gewehrt hat: So vertröstete er die erhebenden Beamten der Wirtschaftspolizei immer wieder, war angeblich zu Konsultationen mit arabischen Geldgebern in Arabien unterwegs und wartete zu Jahreswechsel mit einem Gutachten auf, das ihm bestätigte, aus gesundheitlichen Gründen nicht einvernommen werden zu können. Daraufhin wurde auch ein Gerichtsgutachter für Psychiatrie und Neurologie um eine Expertise gebeten.
Wirtschaftskrimi. Aufgeflogen ist die Causa, die sich zu einem Wirtschaftskrimi entwickelte, durch die illegale Veröffentlichung eines Tonbandmitschnittes durch Kostis Hermann, in dem der Schlafmediziner Manfred Walzl sein Referentenhonorar (13.110 Euro für 20 Minuten) einforderte und behauptete, es mit dem Gkk-Direktor Herbert Gritzner (ebenfalls Referent bei der Gala) teilen zu müssen. Dies löste interne, aber letztlich ergebnislose Untersuchungen bei der Gebietskrankenkasse unter anderem über Nebenbeschäftigungen aus. Später dementierten sowohl Walzl und Gritzner die Absicht, das Geld teilen zu wollen. Walzl präsentierte sogar eine eidesstattliche Erklärung: Er habe Gritzner nur erwähnt, um mehr Druck auf "medicorp" ausüben zu können.
Firmensitz. Kostis Hermann wiederum klagte Firmen, die er nicht bezahlt hatte, weil sie ihn angeblich betrogen hätten - und behauptete gegenüber der Kleinen Zeitung an einem Spitalsprojekt zu arbeiten. Laut Homepage von "medicorp" wurde mittlerweile auch der Firmensitz verlegt - nach Großbritannien.
Features
Fakten
Die Medicorp Pharma
Group war bis zum
Fest in der List-Halle in
Branchenkreisen un
bekannt. Die Gruppe
besteht aus sieben
Unternehmen, erzeugt werden angeblich Heilmittel für die
Tier- und Humanmedizin sowie Generika.
Die Fäden laufen bei
Claudia und Kostis
Hermann zusammen.
Vom Fest in Graz sind
etwa 300.000 Euro
an Rechnungen nicht
bezahlt worden, unter
anderem an die Agentur,
die es organisierte.
















