Vergiftungungsfälle:"Ein gehöriges Maß an Unwissenheit"
Ungläubiges Staunen löst der weststeirische Vergiftungsfall durch gebackenen Goldregen in der Fachwelt aus: Reaktionen reichen von "Barfußbotaniker" bis zu "völliger Ahnungslosigkeit".
Zuerst aber die gute Nachricht gleich vorweg: Die mit Vergiftungserscheinungen am Dienstag in die Landeskrankenhäuser Deutschlandsberg, Wagna und Graz West eingelieferten acht Personen sind wieder wohlauf. Nach einer Nacht der Beobachtung konnten gestern alle nach Hause entlassen werden, berichten die zuständigen Primarärzte übereinstimmend.
Pfleglinge. Sechs Pfleglinge und die Köchin eines Pflegeheims nahe Stainz sowie der Sohn der Köchin hatten sich als ganz spezielles Dessert "Akazienblüten in Bierteig" gönnen wollen, aber stattdessen irrtümlich den hoch giftigen Goldregen aus dem eigenen Garten verspeist. "Ein gehöriges Maß an Unwissenheit", nennt man das in der Vergiftungszentrale (Notrufnummer: Tel. 01-406 43 43). "Wenn man sich nicht wirklich auskennt, sollte man es lieber unterlassen, unbekannte Pflanzen oder Pilze zu sammeln und zu verspeisen." Man kann sich dort nicht erinnern, je einen Fall gehabt zu haben, bei dem die weißen Robinienblüten (auch falsche Akazie genannt) mit gelbem Goldregen verwechselt wurden.
Grob fahrlässig. "Verwechseln kann man das gar nicht wirklich nennen", hebt auch Kurt Zernig, Botaniker im Landesmuseum Joanneum, hervor. "Das ist schon grob fahrlässige Nachlässigkeit." Das erinnere ihn an die zahlreichen Verwechslungen von Bärlauch mit Maiglöckchen oder Herbstzeitlose. Dort laufe das sozusagen auch unter dem Motto ab: "Das Zeug ist grün, also nehm' ich's", ärgert sich der Botaniker. Dann wird er wieder ernst: "Bei der Robinie, die landläufig bei uns in sprachlicher Flapsigkeit als Akazie bezeichnet wird, kann ich mir gut vorstellen, dass man die nektarreichen weißen Blüten isst." Aber nur bei entsprechendem Ungeschick könne es einem "Barfußbotaniker" passieren, sie mit dem giftigen Goldregen, der in gelben Dolden blüht, zu verwechseln.
Hauptalkaloid. Goldregen enthält als Hauptalkaloid den Wirkstoff Cytisin, erklärt Peter Roll, Gerichtsmediziner an der Medizinischen Uni Graz. "Die höchste Konzentration an Giftstoffen findet sich in den Samen." Vor allem Kinder sind gefährdet, die beim Spielen Samen verschlucken oder an den Blüten saugen. "Zwei bis drei Samen reichen bei Kleinkindern für eine toxische Wirkung, 15 bis 20 Samen sind tödlich."






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