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Zuletzt aktualisiert: 30.03.2007 um 04:54 Uhr

Revolutionärer Erdgas-Wasserstoff-Testmotor aus Graz

Ein mit Wasserstoff betriebenes Auto lässt nur Wasserdampf aus dem Auspuff: Zukunftsmusik. Oder doch nicht?

Foto © KK

Man muss sich das schon einmal verdeutlichen: Die Geschichte rund um den Antrieb mit Wasserstoff - mit Verbrennungsmotor oder Brennstoffzelle - hat einen ziemlich langen Bart. 1938 bastelte der deutsche Ingenieur Rudolf Erren Benzin- und Dieselmotoren auf direkte Wasserstoffeinblasung um. 1968 setzten die Amerikaner bei der Mondlandung alkalische Brennstoffzellen für Bordenergieversorgung/Trink-
wasser-Erzeugung ein.

Starke Spuren. Und auch in Österreich hat der Wasserstoff-Antrieb starke Spuren hinterlassen: 1970 baute Karl Kordesch, Professor an der TU Graz, einen Austin A40 um. Der kleine Renner wurde mit einer alkalischen Brennstoffzelle betrieben, die Reichweite betrug 300 km, die Spitzengeschwindigkeit lag bei 80 km/h. Ein paar Jahrzehnte später könnte Graz wieder einen Meilenstein in der Entwicklung wasserstoff-
angetriebener Fahrzeuge setzen. "Wollen wir unsere Umwelt ruinieren, dann können wir so weitermachen. Wollen wir etwas ändern, dann sollten wir auf Wasserstoff umsteigen", analysiert Manfred Klell von der Technischen Universität Graz und Geschäftsführer des Hydrogen Center Austria, trocken.

Revoultionäres Gemisch. Hauptsächlich wird Wasserstoff aus Erdgas gewonnen - Erdgas besitzt ja einen Wasserstoff-Anteil von etwa bis zu acht Prozent. Näher betrachtet ist dieser Vorgang jedoch nicht gerade umweltschonend: Erstens weil dabei ein fossiler Energieträger verwendet und zweitens, weil bei diesem Vorgang CO2 frei gesetzt wird. In der TU Graz läuft deshalb ein revolutionärer Testmotor, der mit Erdgas und Wasserstoff fahren kann. Die Zukunftsvision: Eine variable Gemischaufbereitung. "Indien zum Beispiel will in Zukunft 20 Prozent Wasserstoff zum Erdgas beimengen", so Klell, der nicht nur deshalb einen Motor mit variabler Gemischverbrennung als eine Zukunftschance propagiert.

Reizvolle Übergangslösung. Denn: Erdgas ist sauberer als Benzin und Diesel und Erdgas kann wie Wasserstoff unter Druck komprimiert oder tiefkalt verflüssigt werden - was den Aufbau einer gemeinsamen Infrastruktur enorm erleichtern würde. Als Übergangslösung, bis Wasserstoff flächendeckend eingestzt wird, eine reizvolle Variante. Natürlich gilt es Problemen aus der Welt zu schaffen: Wird Wasserstoff in einem Verbrennungsmotor eingesetzt, entstehen Stickoxide (NOx), die - wie beim Diesel - zum Beispiel über einen Speicherkat eliminiert werden müssten. Für Klell ist die Wasserstoff-Technologie jedoch generell keine Vision mehr. "Technisch wären wir soweit, dass wir es angehen könnten. Die Industrie kann sich einfach schwer dazu durchringen, weil mit konventionellen Verbrennungsmotoren immer noch genug Geschäft gemacht wird".

Fünfmal so teuer. Der größte Stolperstein auf dem Weg zu einer umweltfreundlicheren Fortbewegung ist die Erzeugung von Wasserstoff - wenn er nicht mit erneuerbarer Energie (Wasser, Solar...) gewonnen wird, verfälscht man die Umweltbilanz. Was hilft es, wenn wir massig Wasserstoff produzieren - aber mit Kernenergie! Derzeit ist Wasserstoff drei- bis fünfmal teurer als herkömmliche Kraftstoffe. Große Offshore-Windparks, die ähnlich wie Ölplattformen im Meer stehen und über Windräder Energie "einfangen" gelten als (teure) Zukunftshoffnung zur Wasserstoffproduktion. Klell: "Wenn die Politik will, fahren wir in drei bis fünf Jahren mit Wasserstoff. Wenn nicht, dauert es Jahrzehnte".


Foto

Foto © KK

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Hydrogen Center

Das Hydrogen Center Austria in Graz ist das erste und einzige Forschungs-
zentrum für Wasserstoff
in Österreich, Projektpartner sind (unter anderen) TU Graz, Joanneum Research, Magna, List, Institut für Thermo-
dynamik und Verbrennungs-
kraftmaschinen.

Tests

Im Zentrum werden etwa die Tanks des mit Wasserstoff betriebenen Siebener-BMW (von Magna produziert) vor dem Einbau getestet, es gibt eine Wasserstoff-Tank-
stelle (OMV)
und Forschungsprojekte - darunter der Erdgas-Wasserstoffmotor: Über einen Sensor wird das Mischungs-
verhältnis im Tank bestimmt, die Motor-Elektronik erledigt den Rest.

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