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    Zuletzt aktualisiert: 13.03.2014 um 21:54 UhrKommentare

    Endspiel im Wiener Justizpalast

    Hannes Kartnig war für seine Machenschaften bei Sturm mit einer unbedingten Haftstrafe von fünf Jahren und 6,6 Millionen Euro Geldstrafe belegt worden. Der Oberste Gerichtshof entscheidet am 23. April über eine Wiederaufnahme. Was passieren kann und wo die Verteidiger ansetzen.

    Hannes Kartnig und sein "Spielzeug"

    Foto © GEPAHannes Kartnig und sein "Spielzeug"

    Was dort rauskommt, das sitzt dann", schnauft der ehemalige Präsident. Zwei Jahre nach dem erstinstanzlichen Urteil im SK-Sturm-Prozess ist für Hannes Kartnig und die sieben weiteren Angeklagten das Ende ihres härtesten "Matches" in Sicht: Am 23. April wird im Justizpalast in Wien der Oberste Gerichtshof unter Vorsitz von Kurt Kirchbacher über sämtliche Berufungen und Nichtigkeitsbeschwerden befinden.

    In Graz verkündete Richter Karl Buchgraber im Februar 2012 die drakonischen Strafen des Schöffensenates: Kartnig fasste zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe von 6,6 Millionen Euro nach dem Finanzstrafgesetz aus, dazu kamen drei Jahre Gefängnis für die anderen Vorwürfe (Betrug etc.). Obendrein: ein Fußfesselverbot. Der langjährige Sportdirektor Heinz Schilcher soll wegen Beitrags zur Hinterziehung von Lohnabgaben 1,9 Millionen Euro Strafe zahlen. Die übrigen Vorstandsmitglieder und der Klubsekretär wurden zu Strafen bis zu 3,8 Millionen und teilbedingter Haft verdonnert (nicht rechtskräftig).

    Damit wurde eine entscheidende Frage nach monatelangem Schlagabtausch im Schwurgerichtssaal vorerst geklärt: Kartnig war als "Sonnenkönig" nicht allein für den Untergang des SK Sturm verantwortlich, sondern die Vorstandsmitglieder waren - strafrechtlich betrachtet - wichtige Mitspieler. Buchgraber damals: "Für die Beitragstäter genügt es, dass sie die Tat des Haupttäters kennen, was von den Vorstandsmitgliedern angenommen werden muss."

    Der Gegenangriff ist umfassend: "Die Angeklagten bekämpfen ihre Verurteilung mit Nichtigkeitsbeschwerden und Berufungen. Die Staatsanwaltschaft wendet sich mit Nichtigkeitsbeschwerde gegen einzelne Freisprüche und mit Berufung gegen Strafaussprüche", teilte man im Obersten Gerichtshof am Donnerstag mit. Der OGH werde darüber am 23. April 2014 verhandeln und entscheiden.

    Die Verteidiger von Hannes Kartnig, Richard Soyer und Michael Pacher haben bereits vor längerer Zeit angedeutet, sie hätten mehrere Nichtigkeitsgründe ausfindig gemacht. So seien die Schöffen nach der Weihnachtspause im neuen Kalenderjahr nicht ordnungsgemäß vereidigt worden. Theoretisch könnten die Höchstrichter deshalb eine Neuaustragung am Landesgericht Graz vorschreiben - was aber eine Überraschung wäre.

    Inhaltlich umstritten ist die Verurteilung Kartnigs wegen Betrugs: Die Verteidigung bestreitet, dass er versucht habe, das Land um 1,2 Millionen Euro (in Form einer Ausfallhaftung für einen Kredit) zu betrügen. Das Geld ist jedenfalls nie geflossen und der Ex-Präsident beteuert, er hätte es auch nie abgerufen.

    Umstritten war in erster Instanz außerdem die Frage: Welchen Wert stellte die damalige Profi-Mannschaft dar? Und hätte der Vorstand eine Zahlungsunfähigkeit verhindern können, wenn man ihm Zeit gelassen hätte, Spieler zu verkaufen? Bei Gutachter Fritz Kleiner biss Kartnig damit allerdings auf Granit.

    Interview: "Ich bete, dass es gut ausgeht"

    Herr Kartnig, nun steht ihr Termin vor dem Obersten Gerichtshof fest.

    Hannes Kartnig: Ich habe davon am Mittwochabend erfahren, bin einerseits erleichtert, dass es ein Datum (23. April) gibt.

    Andererseits . . .

    Kartnig: Weiß ich natürlich: Was dort rauskommt, das sitzt dann. Ich bete, dass es gut ausgeht. Die Grazer wissen, ich gehöre nicht zu den Gaunern. Das mit den Steuern war ein Fehler, aber betrogen habe ich nicht.

    Haben Sie vor einer Haft Angst?

    Kartnig: Na bitte, wer hat schon Freude damit, ins Gefängnis gehen zu müssen? Die Frage lautet aber, für wie lange. Aber meine Familie und Freunde, die stehen hinter mir.

    Was machen Sie bis zum OGH-Termin?

    Kartnig: Arbeiten – es sind Europawahlen, es gibt viel zu tun. Über Ostern werde ich ein paar Tage wegfahren. Man will gesund bleiben.

    Wie geht es Ihnen derzeit? (Kartnig war nach der Diagnose Darmkrebs 2012 mehrfach operiert worden, Anmerkung).

    Kartnig: Momentan ist es okay. Aber bei Krebs kann man sich nie ganz sicher sein. Gesundheit ist das Wichtigste.

    Unterdessen hat Markus Schaller, Anwalt von Ex-Sportdirektor Schilcher, seine Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung so begründet: Strafmildernde Beweise wären nicht berücksichtigt worden. Und Schilcher "hatte mit den finanziellen Dingen und mit Schwarzgeld nichts zu tun".

    Der Ball liegt nun bei den Höchstrichtern: Sie können Teile des Urteils aufheben, Strafen mildern oder auf eine völlige Neuaustragung entscheiden. Bisweilen kann der Gang in die nächste Instanz auch mit einem "Eigentor" enden: Bei Andrea Herberstein ist im Jahr 2011 die unbedingte Haft von fünf auf acht Monate ausgedehnt worden.

    GAK-Angeklagte zittern mit

    Die Entscheidungen im Justizpalast am 23. April werden die ehemaligen Stadtrivalen gebannt verfolgen: Von Rudi Roth über Peter Svetits bis zur einstigen Vereinsbuchhalterin - die Erhebungen im "GAK-Krimi" sind bis heute nicht abgeschossen. Nach dem Sachverständigenwechsel warten alle Beteiligten nach wie vor auf das Gutachten von Thomas Keppert. Heuer sollte er die Vorwürfe (Schwarzgeld etc.) analysiert haben. Wie immer gilt die Unschuldsvermutung.

    Fotoserie: Causa Kartnig: Der Fall des Sturm-Zampanos

    THOMAS ROSSACHER, ALFRED LOBNIK

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