"Die Autonomie der Unis wird ausgehöhlt"
Am Ende seiner zehnjährigen Tätigkeit als Uni-Rat der Grazer Uni zieht der Industrielle Werner Tessmar-Pfohl eine positive Bilanz und übt Kritik.

Foto © HoffmannWerner Tessmar-Pfohl begleitete die Universität Graz zehn Jahre lang als Uni-Rat, zuletzt als Vorsitzender. Der Industrielle fürchtet, dass die Uni-Autonomie unterhöhlt wird
Nein, viele gibt es nicht wie ihn. Industrielle, die sich im Bereich der Bildung engagieren. Doch als Werner Tessmar-Pfohl vor genau zehn Jahren einstimmig zum Uni-Rat der Karl-Franzens-Universität gewählt wurde, war allen klar: Der Chef der exportorientierten Spezial-Texil-Firma Sattler AG würde dieses Amt mit Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein ausfüllen. Hatte er sich doch schon seit den 1960er-Jahren im Rahmen der Industriellenvereinigung mit dem Thema Bildung befasst. Nach zwei Perioden scheidet er gemäß Gesetz aus.
"Für uns alle war es nach der Umstellung auf die Uni-Autonomie Neuland", erinnert sich Tessmar-Pfohl. Die Weichen wurden gemeinsam mit Rektorat und Senat gestellt, "wir haben uns immer bemüht, Probleme sofort auszuräumen". Stolz ist der Unternehmer darauf, dass "die Karl-Franzens-Universität finanziell am besten von allen Unis dasteht", stolz ist er auf die "roten Fäden" eines Schwerpunkts Südosteuropa, die Zwillingsfakultät Naturwissenschaften und den "Leuchtturm" biomolekulare Wissenschaften. Seine Uni-Rats-Gage spendete er übrigens wie seine Kollegen für Stipendien.
Kritisch sieht er die Umstellung auf Bachelor und Master. "Es war an sich eine gute Sache, vor allem im internationalenVergleich. Aber die Umsetzung und Handhabung ist schlecht." Auch wenn man ihn eher mit den Begriffen nachdenklich, überlegt und nobel verbindet, scheut er auch klare Worte nicht: "Es gibt leider viele Lordsiegelbewahrer, und manche Gremien sind autistisch." Der Verfechter von Studiengebühren findet auch, dass manche Studierende besser beraten wären, eine "Lehre mit Matura" zu absolvieren.
Unzufrieden ist er auch mit der Politik. Der Staat regiere wieder mehr in die Unis hinein, "die Autonomie wird ausgehöhlt". Besonders ärgert ihn, dass den Unis beim Investieren die Hände gebunden sind und dass die Bundesimmobiliengesellschaft so teure Mieten verlangt.
Zwar würde Tessmar-Pfohl heute eher Psychologie oder Soziologie studieren als Betriebswissenschaften, aber Forscher? "Nein, mich interessieren lebendige Organisationen und das Gestalten", sagt der Unternehmer, der seine Firma in ihrem Bereich zum Weltmarktführer machte.
Zum Ausgleich spielt für den 71-Jährigen die Familie - im engeren Kreis mit seiner Frau Marie-Juliane (seit 1968 verheiratet) und seinen drei Kindern - sowie der enge, jahrzehntelang miteinander verbundene Freundeskreis eine zentrale Rolle. Man unternimmt viel gemeinsam, sei es sportlich (Schifahren, Jagen, Golf) und kulturell - Musik (Oper) und Literatur. Ach ja, und eines bedauert der erfolgreiche Unternehmer ganz besonders: "Dass ich nie Altgriechisch und nie ein Instrument gelernt habe."
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Zur Person
Werner Tessmar-Pfohl, 1942 in Graz geboren, studierte Welthandel in Wien und promovierte im Fach Wirtschaftswissenschaften.
Seit 1964 im Familienunternehmen Sattler AG tätig, seit 1983 Geschäftsführer, seit 2007 Aufsichtsratsvorsitzender.
2003 wurde er zum Uni-Rat an der Karl-Franzens-Universität gewählt. Funktionen in der Industriellenvereinigung.

















