Rettung in letzter Sekunde aus Mühlgang
Unter Einsatz seines eigenen Lebens wollte ein Grazer nachts einen 18-Jährigen aus dem Mühlgang ziehen. Zwei Polizisten kamen zu Hilfe, sonst wäre er selbst hineingestürzt.

Foto © Gernot Eder
"Er hätte ihn keine fünf Sekunden länger festhalten können. Dann wäre auch er in den Mühlgang gestürzt," bewundert Diensthundeführer Bernhard Walk die Zivilcourage eines 44-jährigen Grazers, der, auf dem Bauch im Schnee liegend, immer weiter in Richtung Mühlgang rutschte. Und dennoch nicht einen ins Wasser gestürzten jungen Mann ausließ, den er nur noch mit einer Hand festhalten konnte. Zu dem dramatischen Vorfall war es in der Nacht auf Donnerstag, kurz vor drei Uhr früh, in der Grazer Brückengasse gekommen. "Meine Frau hat Hilfeschreie gehört", erzählt Niki Vanja, der direkt neben dem Mühlgang wohnt. Vom Balkon aus sah er dann einen Arm aus dem reißenden Wasser ragen. "Er hat ein helles T-Shirt getragen."
Wettlauf mit der Zeit
Sofort alarmierte der Grazer die Polizei, dann zog er sich rasch an und überlegte gleichzeitig, was der schnellste Weg zur Unfallstelle sei. "Da war jemand im Wasser, da kannst nicht warten", begründet der 44-Jährige, warum er gleich den Weg über den Zaun nahm, hinübersprang und ans Ufer rannte. "Es war ein Reflex." Zeitgleich lief in der nahen Polizeiinspektion, in der die Diensthunde untergebracht sind, gerade der Wechsel zweier Streifen ab. Dabei hörten die Hundeführer Bernhard Walk und Gernot Hadler, dass mehrere Streifen zur Brückengasse unterwegs sind, wo Hilfeschreie gehört wurden, die immer leiser wurden. Sofort liefen die Hundeführer zum Mühlgang, um dort Nachschau zu halten. Dort sahen sie zuerst den Lebensretter, der auf dem Boden lag und jemanden mit letzter Kraft festhielt. "Gemeinsam konnten wir ihn ans Ufer ziehen", berichtet Walk. "Es war ein Glück, das wir noch da waren. Nur Minuten später wären wir wieder auf Streife gewesen."
Bei Eintreffen des Notarztes war der gerettete 18-Jährige schon wieder ansprechbar. Doch im Schock sagte er, dass er ins Wasser gestoßen worden sei - und sein Freund noch im Mühlgang sei. Ein Sucheinsatz von Polizei und Feuerwehr war die Folge. Doch der Freund war wohlbehalten zuhause. Warum der 18-Jährige aus dem Bezirk Graz-Umgebung nachts zum Mühlgang gekommen war, ist ungeklärt. Er wurde ins Spital gebracht.














