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Zuletzt aktualisiert: 02.02.2013 um 07:45 UhrKommentare

Nach der Matura wartet nun der Aufnahmetest

Jedem zweiten Maturanten drohen künftig Aufnahmeprüfungen, wenn er ein Studium wählt. Die Universitäten bereiten sich auf die Tests vor, Studienanfänger müssen aufpassen.

Bald ein alltägliches Bild in allen Massenfächern und nicht nur in Medizin? Aufnahmeverfahren an den Universitäten

Foto © FUCHSBald ein alltägliches Bild in allen Massenfächern und nicht nur in Medizin? Aufnahmeverfahren an den Universitäten

Nicht viele haben erwartet, dass die Regierung doch noch diesen Brocken vor den Wahlen bewältigt: Am Dienstag wurde im Ministerrat eine Uni-Gesetz-Novelle zur "kapazitätsorientierten Universitätenfinanzierung" beschlossen. Dahinter stehen de facto Aufnahmeverfahren in fünf Studienfeldern - nur eine bestimmte Anzahl von Studierenden wird pro Fach zugelassen.

Weil gerade diese Fächer zu den nachgefragtesten gehören, droht bald jedem zweiten Maturanten nach der Matura eine Prüfung fürs Wunschstudium.

UMKÄMPFTE STUDIENPLÄTZE

Zweistufiges Verfahren. An der Uni Graz sind die Fächer Biologie (bisher etwa 200 Anfänger pro Jahr), Molekularbiologie (340), Pharmazie (360), BWL (750), VWL (180) und Psychologie (200) betroffen. Bei Psychologie gab es schon bisher einen Test. Das Verfahren ist zweistufig: Zuerst Anmeldung mit einem Selfassessment, dann gegebenenfalls eine Prüfung im Juni oder Juli, zeitgleich mit den gleichen Fächern an anderen Unis. Die obigen Zahlen - etwas erhöht - werden künftig die Maximalzahlen sein; im Detail wird das noch verhandelt.

Mangel an Laboren. Einen Sonderfall stellt die Pharmazie dar. Die Anfängerzahlen sind zuletzt direkt explodiert und es fehlen bei Weitem die Laborplätze. Dennoch dürften diese hohen Zahlen nun "festgeschrieben" werden. Bis Mitte Februar soll eine Arbeitsgruppe unter Einbeziehung der Studierenden und der Apothekerkammer Lösungen finden. Möglicherweise werden die Zahl der Laborübungen reduziert oder die Laborauslastung erhöht oder neue Laborplätze eingerichtet. Derzeit gibt es bereits lange Wartelisten.

Derzeit entspannte Lage. An der TU Graz sind Architektur (200), Informatik (200) und Molekularbiologie (50) betroffen. Derzeit sieht es in allen Fächern danach aus, dass die Kapazitäten ausreichen und daher keine Prüfungen notwendig werden. Dennoch müssen auch an der TU bereits vorab möglich Prüfungsstoff-Beispiele online gestellt werden, damit Studienbewerber sich auf eine allfällige Prüfung vorbereiten können. Es ist - wie an der Uni - noch nicht entschieden, ob eine Prüfungsgebühr eingehoben wird.

Überall etwas anders. An der Medizin-Uni gibt es bekanntlich seit sechs Jahren Aufnahmeprüfungen. Seit gestern muss man sich für das nächste Studienjahr auch anmelden. An der Kunst-Uni gibt es Aufnahmeprüfungen ohnehin schon seit jeher. Auch an den Fachhochschulen (Joanneum und Campus 02) gibt es schon immer Aufnahmeprüfungen. Die Pädagogischen Hochschulen (PH und KPH) setzen auch seit Jahren Aufnahmeverfahren ein. Einzig an der Montan-Uni Leoben kann man direkt zu studieren beginnen.

Zwar haben die Universitäten das gefordert, aber wunschlos glücklich sind sie nicht. So wurden die - zum Teil viel zu hohen - Anfängerzahlen nun festgeschrieben, Entlastung gibt es kaum. Martin Polaschek, Vizerektor der Uni Graz: "Eigentlich bekommen wir kein zusätzliches Personal, sondern können jetzt nur das besetzen, was wir ohnehin besetzen müssten." Der Betrag für zusätzliche Professorenstellen - 130.000 Euro - werde kaum ausreichen. "Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein".

Gelassener als Polaschek, der mit enormen Überkapazitäten etwa im Fach Pharmazie kämpft, sieht das sein Kollege Bernhard Hofmann-Wellenhof an der TU Graz. Weder in Architektur noch Informatik oder Molekularbiologie dürften heuer Aufnahmeverfahren notwendig sein. Denn eine Prüfung gibt es nur dann, wenn die Zahl der Studienplätze - um die im Einzelnen noch gerungen wird - kleiner als die Zahl der Bewerber ist.

Dennoch müssen die Studierenden in den Bereichen Informatik, Biologie, Architektur, Pharmazie und BWL aufpassen. Sie müssen sich voranmelden, und das handhabt jede Uni anders. Melden sich zu viele an, gibt es im Sommer (teilweise schon im Juli, teilweise erst im September) Auswahlprüfungen.

Ein "Zuckerl" hat die Regierung für die Studierenden eingepackt: Die lebenslange Studiensperre, die es nach einem Scheitern in den ersten Semestern gab, wird ersatzlos gestrichen.

NORBERT SWOBODA

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