"In Graz hab' ich immer ein Heimspiel"
Comedian Gernot Kulis (36), ein "halber Grazer", über seine Zeit in der Murmetropole.

Foto © JÜrgen Fuchs
Freitag, kurz vor 19 Uhr: In einer Stunde wird Gernot Kulis das Publikum im Grazer Orpheum zum Zerkugeln bringen - doch der Auftritt des 36-jährigen Comedian beginnt jetzt. Nein, nicht wegen des Interviews mit der Kleinen Zeitung. Auch nicht wegen der Fotos. Aber hinter dem Fotografen steht ein Ehepaar, das lange gebannt zusieht - bis der Mann Mut fasst und fragt: "Sind Sie der Ö3-Callboy?"
Das Ja lässt er gelten: Die Tochter habe schon viel erzählt, später werde man eh im Orpheum sein. "Aber wir sitzen leider getrennt. Gibt es auch CDs von Ihnen?" Kulis plaudert und bedankt sich "schon jetzt fürs Kommen".
Wir sagen auch Danke für dieses Interview: Herr Kulis, Ihr Geburtsort Sankt Paul im Lavanttal hin oder her - Sie sind ein halber Grazer, oder? GERNOT KULIS: Auf alle Fälle! Ich glaub', auch die Grazer selbst sehen das so. Hier in dieser Stadt hab' ich immer ein Heimspiel.
Sie sind mit 14 Jahren nach Graz gekommen, hier aufgewachsen und in die HIB Liebenau gegangen. Welche Erinnerungen haben Sie? KULIS: Die besten. Lässige Lehrer, die es locker nahmen, wenn ich eine Meldung geschoben hab'.
Und nach der Schule haben Sie Graz unsicher gemacht. KULIS: Ich war bei der Grazer Messe, tausendmal am Schloßberg. Und immer mit dem Radl. Außer ein einziges Mal, natürlich ohne Fahrschein. Und was passiert? Genau. Nach drei Stationen haben s' mich schon erwischt!
Zu einem Klassentreffen quasi als Berühmtheit zurückzukehren ist jetzt auch kein Nachteil. KULIS: Erstens haben wir noch kein g'scheites Klassentreffen geschafft. Und so etwas wie Geld war nie meine Antriebsfeder. Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen, dafür bin ich dankbar.
Sie haben auch lange Jahre beim SK Sturm Graz Fußball gespielt,
unter Trainer Ivica Osim.
KULIS: (lacht) Und sobald ich weg war, hatten die Burschen Erfolg. Bei mir als Fußballer war es ja so: Mit 16 war ich super, mit 18 gut, mit 20 mittelmäßig . . . Hätt' ich weitergemacht, wär' ich also mit 25 im Nationalteam gewesen.
Als Ö3-Callboy, eine Art versteckte Kamera im Radio, haben Sie Kultstatus erreicht. Sie rufen wildfremde Personen mit aberwitzigsten Anliegen an. Werden Sie nicht an der Stimme erkannt? KULIS: Komischerweise nicht. Ich hab' erst vor zwei Tagen in St. Michael angerufen, quasi als Mitarbeiter der Wahlbehörde Leoben. Ich hab' gesagt, wegen der wohl zu geringen Beteiligung machen wir die Volksbefragung vorab telefonisch. Mit Fragen wie: Sind Sie für keine Abschaffung des nicht unfreiwilligen Berufsheeres? Aber wart', am besten . . .
Kulis greift zum Handy, spielt uns die ganze Aufnahme vor - und lacht selbst laut auf.
MICHAEL SARIA

















