Sie greift nach den Sternen
Julia Radlingmayer kümmert sich landesweit um die Sternsinger. Doch sie will nicht nur Spenden sammeln, sondern auch Vorurteile abbauen.

Foto © Jürgen Fuchs
Als kleines Mädchen ist sie selbst Sternsingerin gewesen, heute betreut sie 13.000 von ihnen: Julia Radlingmayer koordiniert seit zwei Jahren in der Steiermark die Dreikönigsaktion, die mit einem Sternsingergottesdienst in vielen Pfarren heute ihren Abschluss findet.
Der Gegensatz klein-groß findet sich aber auch an anderen Stellen im Lebenslauf der 34-Jährigen wieder: Aufgewachsen in der 2500-Seelen-Gemeinde Aigen, zog es Radlingmayer nach der Matura in die weite Welt: Eineinhalb Jahre tingelte sie durch Mittelamerika, lernte Spanisch, kellnerte oder arbeitete in einer Bücherei, um Erfahrungen zu sammeln. "Für mich war das eine sehr beeindruckende Zeit." Begeistert haben die damals 19-Jährige vor allem die Lebensfreude und die Zufriedenheit der Menschen dort.
Zurück in Österreich ließ sie sich zur Goldschmiedin ausbilden, bevor sie in Wien Ethnologie und Internationale Entwicklung inskribierte. "Ich habe mich dabei zum einen auf Lateinamerika und zum anderen auf Entwicklungszusammenarbeit und Migration spezialisiert", erzählt sie. Wanderbewegungen seien ein wichtiger Aspekt in der Gesellschaft, die aber auch Herausforderungen mit sich bringen. Dabei wünscht sich die junge Frau vor allem eins: "Über Menschen, die man nicht kennt, soll man nicht schlecht urteilen." Daher tourte sie auch diesen November mit Assumpta Petros und Tewodros Amare, zwei Projektpartnern aus Äthiopien, durch das Land, um in Schulen und Pfarren über das Leben dort zu berichten. "Der persönliche Kontakt ist viel intensiver als Informationen aus einem Buch." Für die Schüler sei es etwa wichtig zu wissen, wo ihre Altersgenossen leben, zu wievielt sie in einer Klasse sitzen und ob sie einen Fernseher oder ein Handy zu Hause haben. "Den Gästen aus dem Ausland gefällt es wiederum sehr, von ihrer Heimat erzählen zu können."
Die Vorbereitungen für die Dreikönigsaktion beginnen allerdings schon viel früher: Bereits im Frühling wird mit den Verantwortlichen aus den anderen Diözesen ein Schwerpunktland ausgewählt, Flugblätter, Plakate und Pickerln werden entworfen und an den Informationstexten wird gefeilt. Im September werden die Materialien an die Pfarren verschickt. Im Gegensatz zu Kärnten ist die Zahl der Sternsinger in der Steiermark in den vergangenen Jahren gleich geblieben, weiß die Koordinatorin. Wobei es in den städtischen Gebieten immer schwieriger sei als am Land, interessierte Kinder zu finden. Dafür würden immer mehr Erwachsene als Kaspar, Melchior, Balthasar (und Sternträger) durch die Steiermark ziehen.
Mit dem Sternsingertreffen kommenden Samstag im weststeirischen Pistorf ist Radlingmayers Arbeitsjahr aber noch lange nicht aus: Denn Anwaltschaft in Form von Kampf gegen Agrotreibstoffe und Klimawandel oder für fairen Handel geht nie zu Ende.
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Kommentar
Zur Person
Julia Radlingmayer wurde in Aigen im Ennstal geboren und wohnt nun in Graz.
In ihrer Freizeit geht sie "wahnsinnig gerne" wandern - beispielsweise im Toten Gebirge -, liest Krimis, geht ins Kino oder Theater und strickt Socken, Hauben und Handschuhe.














