Ein Austausch von Belanglosigkeiten
G.R.A.M. treffen mit der Wiederaufführung einer Beuys-Aktion von 1968 den aktuellen Zeitgeist.

Foto © FINK Beuys-Aktion mit Helmut Köpping und Lorenz Kabas
GRAZ. "Ja, ja, ja, ja" und "Ne, ne, ne, ne" tönt es gebetsmühlenartig aus der Ausstellung. Unter der Regie des Grazer Künstlerduos G.R.A.M. haben die Schauspieler Helmut Köpping und Lorenz Kabas zur Eröffnung einen Dialog geführt, der nun als Endlos-Video zu sehen ist. Vorbild des Gezeigten ist eine Aktion des deutschen Kunsterweiterers und Polit-Aktivisten Joseph Beuys aus dem Jahr 1968.
Günther Holler-Schuster und Martin Behr von G.R.A.M. beschäftigen sich intensiv mit der medialen Bilderwelt. In einer Serie haben sie richtige Stars und normale Menschen in Paparazzi-Manier fotografiert, in einer anderen ikonische Pressebilder wie jenes des Geiseldramas bei den Olympischen Spielen in München 1972 oder des aufgebahrten Lenins nachgestellt. Aktuelle Arbeiten zeigen bleiche Konzernbosse und betende Börsianer.
Mit Joseph Beuys (1921 - 1986) ist nun eine weitere Ikone an der Reihe. Der deutsche Künstler, der die Idee der "sozialen Plastik" entwickelt hat, schuf die akustische Skulptur "Ja, Ja, Ja, Ja, Ja, Ne, Ne, Ne, Ne, Ne" im Jahr 1968. Aufgeschnappt hatte er das Mantra bei einem Leichenschmaus, routiniert dahingemurmelt von den Trauergästen. "In dem Beuys'schen Tonkunstwerk wird bald klar, dass ,Ja, ja' und ,Nein, nein' dasselbe bedeuten", schreibt Kurator Reinhard Braun zur Ausstellung. "Die wie ein Lamento eingesetzten Worte bringen auf melodische Weise eine Haltung zur Welt zum Ausdruck, die von großer Aktualität ist."
G.R.A.M., die nach Anna Jermolaewa, subREAL, Helmut & Johanna Kandl und Stefan Panhans in der sehenswerten Reihe "Art Is Concrete" zu sehen sind, inszenieren Beuys' Gespräch über nichts absichtlich mit kleinen Abweichungen vom Original. In einer Welt der routinierten Belanglosigkeiten und Qualitätsverweigerungen ist das gar nicht so einfach zu erkennen.
G.R.A.M. "Ja, Ja, Ja, Ja, Ne, Ne, Ne, Ne". Bis 6. Jänner. 2013. Camera Austria, Kunsthaus Graz. www.camera-austria.at
















