Von Baulücken und Großbauten
Bauboom, eklatanter Wohnungsmangel und Bauprojekte in der Warteschleife - das ist Graz. Vom Hauptbahnhof über Reininghaus zur Kommod-Lücke.

Foto © ZEPP-CAMIm November ging der runderneuerte Hauptbahnhof ans Netz, samt "Golden Eye" und Tram-Tunnel
Es war ein echter Festtag in Graz. Nach jahrelanger Bautätigkeit wurde am 26. November die neue Nahverkehrsdrehscheibe am Hauptbahnhof in Betrieb genommen. Um 4.37 Uhr fuhr die erste Straßenbahn durch den neuen Tunnel unter der Gürtelkreuzung durch. Parallel wurde das neue Wahrzeichen am Hauptbahnhof eingeweiht - das Golden Eye am Bahnhofsvorplatz. Der Name wurde aus unzähligen Vorschlägen von Lesern der Kleinen Zeitung ausgewählt. Bürgermeister Siegfried Nagl sah bei der Eröffnung am 23. November, zwei Tage vor der Gemeinderatswahl, Graz in "weltstädtischer Form". Die Nahverkehrsdrehscheibe hat 90 Millionen Euro gekostet.
Dieses Großprojekt ist abgeschlossen, ein weiteres ist im Finale. Die Thalia bekommt ein neues Gesicht. Die Betriebe der Theater Holding sind heuer wieder eingezogen, 2013 wird der Umbau fertig und das John-Harris-Fitnesscenter eröffnet.
Während hier fleißig gewerkelt wird, herrschen anderswo die Baulücken. Beim alten Kommodhaus in der Einspinnergasse hätte nach ausjudiziertem Rechtsstreit mit dem Bau des Zaha-Hadid-Projektes heuer im Herbst begonnen werden sollen - zuletzt wurde aber auf Anfang 2013 verschoben. Der Lyoness-Tower samt 70-Meter-Turm wurde heuer auf Eis gelegt, am Areal des ehemaligen Punkhauses an der Kreuzung Kärnter Straße/Lazarettgürtel klafft die Lücke.
Überhaupt wird in Graz zu wenig gebaut, glaubt man den Experten. Die Folge: Die Preise am Immobilienmarkt sind 2012 ordentlich abgehoben. Als Extrembeispiel gilt die teuerste Wohnung der Stadt am Südtirolerplatz: Ein 137 Quadratmeter großes Penthouse stand um 1,7 Millionen Euro zum Verkauf. Erst gestern warnte wieder Landesrat Hans Seitinger vor einer "Wohnungsnot" in Graz. 16.800 Wohnungen würden der wachsenden Landeshauptstadt fehlen.
Das Gegenrezept der Stadtpolitik lautet: Reininghaus. Nach mehreren Anläufen ist man sich nun einig, wie die 52 Hektar im Grazer Westen verbaut werden sollen. Zunächst wollte die Stadt die Gründe selbst kaufen, die von VP-Chef Nagl forcierte Volksbefragung ließ diesen Wunsch aber platzen. Im November präsentierte er seinen "Plan B": Der Eigentümer hält sich an den beschlossenen Rahmenplan, die Gründe werden umgewidmet, die Stadt bekommt Parkflächen geschenkt und verdient am Verkauf mit. Damit steht einem neuen Stadtteil für 12.000 Menschen nichts mehr im Weg.
GERALD WINTER-PÖLSLER

















