Todesstrafe für Papst: Professor sorgte für Aufruhr
Ein Grazer Uni-Professor forderte auf der Homepage der Hochschule die Todesstrafe für Klimaleugner und für den Papst, die für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich seien. Der Dekan ließ die Seiten jetzt entfernen.

Foto © Erwin Scheriau
Die wilden Internet-Überlegungen eines Professors an der Universität Graz sorgten in den letzten Tagen für heftigen Wirbel aus der ganzen Welt. Richard Parncutt, engagierter Musikologe, hatte einen Beitrag ins Netz gestellt, in dem er die Todesstrafe forderte. Und zwar für Klimaleugner sowie für den Papst. Grund: Sie seien verantwortlich für den Tod von Millionen Menschen. Die einen, indem sie den Klimawandel leugneten, der Papst, weil er Kondome verbiete und deshalb für Aids-Tote sorge. Sogar eine Liste von Todeskandidaten gab es.
Helle Aufregung herrschte, als nun die Bombe hochging und Dutzende E-Mails an der Universität eintrudelten. In diversen Blogs und Meinungsforen wurde weltweit plötzlich die Grazer Universität zum Tagesgespräch.
Die Universität handelte rasch. Sie forderte Parncutt ultimativ auf, die Seiten vom Uni-Server zu entfernen, was dieser auch sofort machte. "Ich habe einen großen Fehler gemacht. Das gehört zu den dümmsten Dingen, die ich in meinem Leben gemacht habe", gibt sich der Professor zerknirscht. Veranlasst zu dieser Stellungnahme habe ihn "die Sorge um die Entwicklungsländer." Er sei seit 18 Jahren Mitglied bei amnesty international, und dort gebe es Diskussionen über das Thema Todesstrafe. "Ich bin gegen die Todesstrafe. Und ich habe mein Anliegen sehr schlecht formuliert", beteuert Parncutt. Er habe jetzt alle politischen Stellungnahmen vom Uni-Server entfernt und stattdessen eine Entschuldigung ins Netz gestellt. Wäre er selbst in der Uni-Leitung, "hätte ich auch verlangt, dass die Seite zurückgezogen wird", kommt die späte Einsicht.
Parncutt gilt als höchst engagierter Professor, der nicht nur fachlich exzellent ist, sondern sich aktiv in die Gesellschaftspolitik mischt. So erscheint er immer wieder auf den Leserbriefseiten.
Doch manchmal sei er wie eine "ungiuded missile" (ungelenkte Rakete), "er kennt wenig Grenzen", so Dekan Helmut Konrad, der ihn maßregeln musste. "25 Jahre habe ich mich bemüht, gerade in Fragen der Menschenrechte die Universität positiv zu positionieren, um ihre Vergangenheit abzuschütteln, und dann das!", ist der Zeithistoriker Konrad zutiefst verbittert. Demnächst werde allgemein die Weisung ergehen, das politische Ergüsse - so sie nicht in Zusammenhang mit der Forschung stehen - auf Servern der Universität Graz nichts verloren haben.
Parncutt muss jetzt eine Sachverhaltsdarstellung abliefern. Dann wird die Uni entscheiden, ob es weitere Maßnahmen gegen den gebürtigen Australier gibt.
















