100 Jahre leben, lieben und leiden
Der Grazer Johann Manger feiert heute seinen 100. Geburtstag. Ein Rückblick auf eine harte Kindheit, Krieg und das Glück in der Pension.

Foto © Kanizaj Die 100 Jahre sieht man Johann Manger nicht an
Nein. Stock brauche ich keinen", erklärt Johann Manger stolz und erhebt sich in einem Zug aus dem Sessel, um sich im Garten für ein Geburtstagsfoto knipsen zu lassen. Ein ganz besonderes, denn heute feiert Manger seinen 100. Geburtstag.
Ein Geheimrezept für das lange Leben gebe es nicht. Oft habe er einfach Glück gehabt, erklärt der rüstige Mann bei Krapfen und Kaffee. In jenem Haus, das er in den 1960er-Jahren selbst erbaut hat und wo er heute im unteren Stockwerk lebt. Gleich darüber wohnt sein Sohn mit seiner Frau und einem seiner beiden Enkel. Braucht er einmal Hilfe, ist die Familie zur Stelle.
Diamantene Hochzeit
Die Hände faltet Manger beim Erzählen unter der Brust. Der Blick ist klar, die Stimme ruhig und besonnen. Ein Lächeln huscht ihm über das Gesicht, als er von seiner Frau Paula zu sprechen beginnt. Mit ihr habe er sogar diamantene Hochzeit (60 Jahre) gefeiert. Wenn es aber um den Krieg geht, zupft er beim Reden nachdenklich an den Knöpfen seines Hemdes.
Den Ersten Weltkrieg habe er als kleines Kind nicht richtig realisiert. Beim Zweiten war er dann Offizierskoch. Keine schöne Zeit. Viel lieber wäre er zu Hause gewesen, bei seiner Frau. Selbst bei Heimaturlauben bekam er kaum einen Bissen hinunter, weil die Rückkehr ins Kriegsgebiet im Kopf herumspukte.
Auch die Kindheit war, wie bei vielen seiner Generation, schwer. Die Mutter gab ihn ins Heim, von dort kam er zu einer Bauernfamilie nach St. Stefan ob Stainz. Schon mit 14 begann er in der Bärnbacher Glasfabrik zu arbeiten, später musste er dann zum Militär. Nach dem Krieg arbeitete er zuerst am Bau, später in einer Werkstatt. Und nun ist er seit 46 Jahren in Pension. Zahlen, bei denen man aufhorcht und ein zweites Mal nachfragen muss. Aber mit 100 sind die Enkel eben auch schon über 40 und die "Dirndln" aus der Nachbarschaft bald 80.
Gefeiert wird der 100er erst im Jänner. Heute gibt es dafür ein Geburtstagsessen im kleinen Rahmen. Für den Nachmittag haben sich einige Ehrengratulanten angesagt, darunter auch der Obmann des Pensionistenvereins. Erzählt Manger über die gemeinsamen Ausflüge im Verein, beginnen die Augen zu glänzen. Bei Wünschen für 2013 winkt er ab. "Dafür bin ich schon zu alt. Aber Gerechtigkeit und Ehrlichkeit wird niemandem schaden."
















