Kampf um private Goldvorräte
Der sinkende Preis und die wachsende Konkurrenz am freien Markt sorgen für Anspannung im privaten Goldhandel. Genaue Zahlen über Geldumsätze und Goldmengen gibt es keine, "aber diese Art von Verkauf ist stark angestiegen".

Foto © APA Gold gegen Geld. Vielfach wird der alte Schmuck eingeschmolzen. ?Dadurch geht viel Kulturgut verloren“, bedauern Juweliere
Man biete "Höchstpreise", "beste Konditionen" und "Sofort-Bares": Derart locken Goldankauf-Stellen im Internet, Werbefernsehen, aber auch einschlägige Geschäftslokale, die in immer größerer Zahl aus dem Boden sprießen. Dazu kommen mobile Händler, die Cafes von Tankstellen oder Hinterzimmer von Gasthäusern als Instantfiliale nutzen und dort Gold in allen möglichen Formen ankaufen. Völlig legal, denn dafür ist - anders als für den betrieblichen Verkauf - keine Gewerbeberechtigung notwendig. Dem Gremialobmann der Uhren- und Juwelenhändler in der steirischen Wirtschaftskammer, Christian Imlinger, sind diese Praktiken dennoch ein Dorn im Auge. Er spricht von "Täuschern", die "Leute gewaltig über den Tisch ziehen". Genaue Zahlen über Geldumsätze und Goldmengen gibt es keine, "aber diese Art von Verkauf ist stark angestiegen", bestätigt Imlinger.
Im Gegensatz dazu stagniert der institutionalisierte Markt. Grund dafür ist der seit Oktober sinkende Goldpreis. Zwar ist man gegenüber der Tiefebene von vor fünf Jahren noch immer im preislichen Hochland unterwegs, das Niveau des Vorjahres wird aber nicht mehr erreicht. "Aber 2011 war ein Lottosechser für die Edelmetallhändler", erinnert sich Christian Zorec von der Grazer Zweigstelle der Österreichischen Gold- und Silberscheideanstalt (ÖGUSSA). Ein ständig kletternder Goldpreis verbunden mit einer wachsenden Krisenangst sorgten damals für ein Jahresplus von 20 Prozent bei den Gold-Ankaufstellen. Sanfte Zuwächse gibt es heuer maximal aufgrund des Weihnachtsgeschäfts. Um Geld für Geschenke zu bekommen, werden Familienschmuckstücke und andere Wertgegenstände gegen schnelles Kapital eingetauscht oder verpfändet.
"Wir haben Wartezeiten wie noch nie", berichtet Peter Rapp vom Edelmetallzentrum 1880 am Grazer Hauptplatz. Zuletzt wollte eine Frau sogar eine Spielzeugmundharmonika mit einem vermeintlichen Schriftzug aus Gold gegen Geld eintauschen. "Ein normales Leben geht sich für viele nicht mehr aus", ortet Rapp eine fortschreitende Verarmung des Mittelstands. "Die meisten nützen das Verpfänden aber nur für die Überbrückung eines kurzen finanziellen Engpasses", heißt es beim Dorotheum mit Verweis auf eine Auslösequote von mehr als 95 Prozent. Gerade jetzt wird viel Schmuck zurückgeholt, "um ihn an den Feiertagen tragen zu können", so Dorotheumssprecherin Doris Krumpl.
















