Vom Wünschen und Träumen
Die Krise bleibt vor der Tür, bei Carmen Nebel geht es ums Wohlfühlen. Ein international besetzter Musikstadl mit Ramazzotti, der zum ersten Mal nach Graz kommt.

Foto © APACarmen Neben in Graz
In den 70er-Jahren hießen Sendungen wie diese im ORF und ZDF "Musik ist Trumpf" - eine Wohlfühl-Show, in der verschiedene Musikgenres ihren Platz hatten. Seit 2004 hört das gefällige Unterhaltungskonzept auf den Namen Carmen Nebel.
"Wir unterwerfen uns keinen festen Regeln, unsere Show unterliegt keinem starren Konzept", sagt die 56-jährige Moderatorin, die Konstante sei eben die Musik. Da passt die große französische Chansonnette Patricia Kaas mit einer Hommage an Edith Piaf genauso hinein wie die Lederhose von Andreas Gabalier, Schlager von Michelle, Bata Illic, Ingrid Peters und Michael Holm und eine italienische Liebeserklärung von Eros Ramazzotti. Wobei Nebel volkstümliche Schunkelei weitgehend ihrem ARD-Nachfolger Florian Silbereisen überlässt.
Überraschung
2012 ist ihr musikalisches Füllhorn zweifellos etwas poppiger als in den ersten Jahren - siehe etwa Unheilig oder eben Ramazzotti. Und um den Wohlfühl-Faktor zu erhöhen, werden immer wieder Wünsche des Publikums erfüllt. So wird heute der Traum der 14-jährigen Grazerin Carina Lehmal erfüllt, einmal mit dem Ballett aufzutreten. Sie bekommt sogar ein Solo. Das 26-köpfige "Showballett Berlin" ist auch noch ein Relikt aus den 70er-Formaten, obwohl das ZDF ohne Augenzwinkern schreibt: "Es steht für Glamour und Zeitgeist!"
Nebel grenzt sich so von der Samstag-Abend-Konkurrenz ab: "Wir müssen kein Supertalent und keinen Wettkönig suchen!" Bei ihr bleibt der Druck des Alltags vor der Studiotür. Da wird z. B. auch schon mal eine Hochzeit gefeiert. Gebürtig aus Grimma (Sachsen), gilt sie als Perfektionisten, sieht daher von den Städten kaum mehr als die Halle und das Hotel. "Ich bin überzeugt davon, dass ich keine einzige Sendung einfach mal so nebenbei und nur mit Routine ,abgeliefert' habe", erklärte sie.
Ramazzotti flog doch erst heute per Privatjet ein, er schob noch das Sat-1-Frühstücksfernsehen in Berlin ein. Brav bei jeder Probe in der Grazer Stadthalle dabei war die Band Pur (tolle neue CD: "Schein & Sein"), deren Sänger Hartmut Engler steirische Spezialitäten wie Kernöl gustierte. Er hat keine Berührungsängste mit Sendungen wie dieser: "Es wäre ja eine Arroganz, nicht in eine Show mit bekennenden Schlagersängern zu gehen. Es gibt natürlich Sendungen, wo man gerne hingeht, und manche, wo man schluckt und sich fragt: ,Sind wir da richtig?' Bei Carmen Nebel gucken viele Leute zu - da wären wir selber schuld, dieser Einladung nicht zu folgen!"
















