Reininghaus: Breite Allianz für "Plan B"
Die Zerstückelung ist abgesagt, der neue Stadtteil kommt. Nagl legte Verhandlungsergebnis mit Asset One vor - alle Parteien stimmen zu.

Foto © Bauer
Das Rätselraten ist beendet. Nachdem der geplante Kauf der Reininghausgründe durch die Stadt im Juni per Bürgerentscheid abgesagt worden war, wusste niemand, wie es mit den 52 Hektar im Grazer Westen weitergeht. Kommt die Zerstückelung, wie es viele Stadtplaner befürchtet haben? Ist damit der Traum vom neuen Stadtteil geplatzt?
Seit gestern ist fix: Der Traum lebt, der neue Stadtteil kommt. ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl legte seinen "Plan B" vor, eine verbindliche Absichtserklärung, die er mit Reininghaus-Eigentümer Asset One verhandelt hat. Nagl: "Das ist der große Schritt, der uns seit Jahrzehnten nicht gelungen ist."
Jetzt ist gesichert: Der Stadtteil wird auf Grundlage des schon lange beschlossenen Rahmenplans (siehe Grafik) entwickelt. Das Paket hat drei Hauptpunkte:
Umwidmung: Die Stadt widmet die derzeit hauptsächlich als Gewerbegebiet ausgewiesenen Flächen großteils in Wohngebiet um, wie es im Rahmenplan vorgesehen ist. Die notwendige Zweidrittelmehrheit im Gemeinderat ist gesichert, weil alle Parteien zustimmen. Nagl: "Damit haben Investoren wie Wohnbaugenossenschaften die Sicherheit, zu investieren."
Parkflächen: Asset One schenkt der Stadt Graz 15,4 Hektar. Auf 6,5 davon entstehen Parks und Sportanlagen, 8,9 Hektar werden für Straßen, Geh- und Radwege und Plätze genutzt.
Kosten: Die Stadt Graz erhält von Asset One 30 Euro pro Quadratmeter je bewilligter Bruttogeschoßfläche. Das macht unterm Strich rund 20 Millionen Euro - Geld, das in Infrastruktur, sozialen Wohnbau und Ähnliches fließt. Grundsätzlich plant die Stadt für Investitionen sieben Millionen Euro jährlich für die nächsten 20 Jahre - das sind 140 Millionen.
Schulterschluss vor Wahl
Bemerkenswert: 24 Tage vor der Wahl stellten die grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker, KP-Stadträtin Elke Kahr und BZÖ-Chef Gerald Grosz gemeinsam mit Nagl das Projekt vor. Und auch SPÖ und FPÖ werden im Gemeinderat zustimmen, wenn auch zähneknirschend. "Dass so etwas im Wahlkampf möglich ist, ist erstaunlich", sagte Bernhard Astner, Vorstand der Asset One.
Dieser Harmonie ging ein heftiges Tauziehen voraus. Nagl hatte den Deal im Alleingang verhandelt und erst im Nachhinein nach einer politischen Mehrheit gesucht. SPÖ und FPÖ werfen ihm daher mangelndes Demokratieverständnis vor.
















