Nach 110 Jahren ist der GAK nur noch Geschichte
Um 12.51 Uhr starb die Hoffnung: Ohne Geld für die Fortführung segnete Richterin Ruß die Schließung des GAK ab. Am Mittwoch geht der Akt zum Oberlandesgericht.

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Der Meistertitel, die unvergesslichen Derbys, die fantastischen Fans. Das alles wird zur Nebensache, wenn einzig Soll und Haben spielentscheidend sind: Der GAK ist nicht mehr. Nach 110 Jahren endet die rote Ära. "Um 12.51 Uhr traf der Schließungsantrag bei uns ein", schildert Markus Graf vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) jenen Moment, als Masseverwalter und Vereinsspitze die Hoffnung aufgegeben haben. 25.000 Euro, der Rest der Fortführungskaution, trafen nicht ein und so gab Zivilrichterin Ulrike Ruß noch am frühen Nachmittag grünes Licht für das Aus der Roten. Vier Konkurse übersteht auch ein GAK nicht.
Nicht ein oder zwei, sondern vier Wunder wird es brauchen, sollte das Oberlandesgericht die Konkurseröffnung nachträglich für rechtswidrig erklären. Wie berichtet, hat die Gruppe rund um Ex-Präsident Harald Fischl Rekurs eingebracht: Aus ihrer Sicht sei Präsident Benedikt Bittmann nicht befugt gewesen, den vierten finanziellen GAK-Umfaller vor Gericht zu bringen.
Aus für den Profibetrieb
Kurz bevor sich die Gläubiger am Dienstag um 10.55 Uhr versammelten, gab es noch Hoffnung. Mit dem Beschluss, den Profibetrieb einzustellen, würden die Fixposten von monatlich 129.000 Euro deutlich gesenkt werden können. Wäre auch noch auf die Miete für das Trainingszentrum bis Dezember verzichtet worden: Die bis zum 2. November fällige Kaution von 100.000 Euro "hätte auf 64.000 Euro gesenkt werden können", erklärt Alfred Woschitz (Kreditschutzverband von 1870).
Zitiert
Der steirische Verband verliert mit dem GAK eines seiner Gründungsmitglieder, das unbestritten ein Aushängeschild für den österreichischen Fußball war. Er hat viele international erfolgreiche Spieler hervorgebracht.
Wolfgang Bartosch, StFV-Präsident
Wenn sich niemand findet, kein Rudi Roth und wie sie alle heißen, um einen Traditionsverein wie den GAK zu retten und er von der Bildfläche verschwindet, ist das einfach traurig. Mit dem Verein stirbt ein Stück österreichischer Fußballgeschichte.
Leo Windtner, ÖFB-Präsident
Sobald klar ist, wie die Zukunft des GAK-Nachwuchses aussieht, gibt es seitens des Landes eine Nachwuchsförderung wie bei allen anderen Vereinen auch.
Franz Voves, LH und Sportreferent
So ein Ende ist für einen Anhänger, der von klein auf am Platz war, schmerzlich. Für die Weiterführung der Kinder- und Jugendarbeit tragen wir aber Sorge. Für den Profibetrieb gilt: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Siegfried Nagl, Grazer Bürgermeister
Aus meiner Sicht bedeutet der Schließungsantrag nicht das totale Ende, das Kapitel GAK ist für mich noch nicht abgeschlossen. Wir wollen den Verein fortführen, haben einen Sanierungsplan ausgearbeitet. Wir hätten mehr Zeit benötigt.
Harald Fischl vom "Sanierungsgremium"
Es tut sehr weh. Ich war bei allen vier Konkursen dabei, aber die Schließung ist richtig bitter. Beim GAK habe ich die längste Zeit meiner Karriere verbracht.
Martin Amerhauser, Ex-Spieler und Co-Trainer
Hätte und würde: Die restlichen 25.000 Euro, um den Verein bis Freitag am Leben zu erhalten, trafen am Dienstag nicht ein. "Zwei Großsponsoren hätten früher zahlen sollen, aber die sind auf Urlaub", bedauert Fischl, derzeit selbst im Ausland. Wer die Gönner sind, sagt er nicht.
Für Masseverwalter Norbert Scherbaum war das spätestens zu Mittag nicht mehr relevant: Die Kanzlei feilte bereits am Schließungsantrag. Inhalt: Von Sponsoren fließen vor Jahresende keine Beträge mehr. Die Aktiva (13.000 Euro) reichen nicht aus, um die Fixkosten zu decken. Nicht eingelangt ist der Rest der am Dienstag fälligen der Fortführungskaution (insgesamt 50.000 Euro). Es gibt keine Aussicht, am Freitag die nächste Kaution zu erhalten. Nicht zu reden von den Ende November weiteren benötigten 50.000 Euro. Kurz: Nach einer letzten Rücksprache mit GAK-Präsident Bittmann war der Schließungsantrag formuliert.
Schließung stattgegeben
Und diesem "Antrag wurde auch stattgegeben", bestätigt Friedrich Moshammer, Sprecher des Landesgerichts für Zivilrechtssachen in Graz. Dieses schnelle Handeln war auch Sinne der Gläubiger. "Wir lassen uns nicht auf dasselbe Spiel wie bei den vergangenen Verfahren ein", sprach sich ein Betroffener am Dienstag gegen weitere Verzögerungen aus. "Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", meinte auch der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl - seit Kindheitstagen ein GAK-Fan -, als er von der Vereinsschließung erfuhr. Die Jugend will die steirische Politik freilich nicht im Regen stehen lassen (Seiten 22/23).
Hingegen ist Fischl einer jener, für die die Schließung nicht das "totale Ende" des GAK bedeutet. Man klammert sich an das Oberlandesgericht und hofft, dass man den Konkursantrag vom 19. Oktober für nichtig erklärt. Auch will das Sanierungsgremium "Ansprüche geltend machen". Auf dem Wunschzettel ganz oben steht zudem eine außerordentliche Generalversammlung.
Die Chancen von Fischl & Co. stufen Juristen derzeit als gering ein. So ist Kreditschützer Graf die "dahinterstehende Zielrichtung nicht ganz klar". Eine Überschuldung sei kaum in Abrede zu stellen. Freilich liegt der Ball beim Oberlandesgericht.
Dort werden am Mittwoch der GAK-Akten eintreffen. Auf Spekulationen, bis wann eine Entscheidung vorliegen könnte, lässt sich OLG-Vizepräsident Ulrich Leitner jedoch nicht ein.
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Stadt verliert Steuergeld
Die Schließung des GAK hat das Zivilgericht abgesegnet, nun wird es mit der Verwertung des Vereinsvermögens ernst. Bis Dezember soll feststehen, wie viel zu holen ist.
Die Liste der Forderungen beinhaltet offene Gehälter der Kampfmannschaft, nicht bezahlte Abgaben, Gebühren und Steuern sowie Lieferantenrechnungen. Letztere werden derzeit mit 77.000 Euro beziffert, die Gebietskrankenkasse stellt sich mit 73.000 Euro an.
Laut der Stadt Graz sind mindestens noch 154.000 Euro an Kommunalsteuern fällig. Nicht zu vergessen: die Mieten für das Trainingszentrum. Bei Konkurseröffnung war von Verbindlichkeiten des GAK jenseits der 300.000 Euro die Rede. Strittig ist eine Forderung der Finanz, die für die Jahre 2003 bis 2005 nachträglich 2,05 Millionen Euro vom Fußballklub verlangt.
Das Land gehört unterdessen im laufenden Konkursverfahren nicht zu den Geschädigten. Zumindest nicht das Sportressort, das den Regionalligaklub wie andere Vereine auch in der Saison 2010/11 mit 9084 Euro und für 2011/2012 mit 10.900 Euro gefördert hat.
Für die aktuelle Saison floss noch kein Geld. Das gilt ebenso für den Sponsor Holding Graz. In der letzten Saison mit 50.000 Euro sowie einer "Meisterprämie" tatkräftiger Unterstützer des GAK, gibt es für die "Spielzeit 2012/2013 keinen aufrechten Vertrag", betont man beim kommunalen Dienstleister.
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Titel und Erfolge
- Österreichischer Meister 2004
- Österreichischer Pokalsieger 1981, 2000, 2002, 2004
- Supercup-Gewinner 2000, 2002
- Regionalliga-Meister 2012
- 3 × Österreichischer Amateurstaatsmeister
- 10 × Steirischer Landesmeister


















