Grazer Schauspielhaus: "X-Freunde" rasen durch stressigen Alltag
Wie in einem riesigen Computer gefangen agieren die drei Personen, die in Felicia Zellers Drama "X-Freunde" zwischen Arbeitsstress und nicht funktionierendem Privatleben hin- und hergerissen werden.
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Regisseurin Judith Wille inszenierte das Stück auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses so rasant, dass man bei der Premiere am Dienstag schon beim Zuschauen das Gefühl hatte, eine Verschnaufpause zu brauchen.
Zwischen Computertasten, die als bewegliche Würfel immer wieder umgestellt und auf der Bühne verteilt werden, vollzieht sich das ganz alltägliche Drama dreier eher beliebiger Personen. Die selbstständige Unternehmensberaterin, die in ihrem eigenen Betrieb alles besser mache will, wird von ihrem Perfektionswahn regelrecht aufgefressen. Ihr Partner, ein mittlerweile arbeitsloser Caterer, kann mit seiner vielen Freizeit nicht umgehen und hat zunehmend weniger Verständnis für seine arbeitswütige Freundin. Und schließlich ist da noch ein Künstler mit Schaffenshemmung, der viel über die Situation philosophiert aber wenig weiterbringt.
Die Autorin verknüpft Gedankensplitter, alltägliche Plattitüden, Kurzmeldungs-Texte und teilweise auch unverständliche Wortschöpfungen zu einem hektischen Ganzen, das den Wahnsinn der Welt dieser drei Personen abbilden soll. Unterstützt wird die Aussage von der Art, wie Regisseurin Judith Wille alle immer herumhetzen lässt. Ganz besonders Evi Kerstephan, die als übergenaue Geschäftsfrau schon zu Beginn wirkt, als würde sie knapp vor dem Herzinfarkt stehen.
Als ihr erfolgloser Partner bringt Simon Käser einige Ruhe ein, obwohl er zumindest versucht, das irre Spiel mitzuspielen. Florian Köhler ist als Bildhauer, der sein Kunstwerk nicht mehr bearbeiten mag, irgendwie in beiden Welten zuhause, er kennt den Stress, aber er findet für sich dann doch Wege, um daran nicht zu zerbrechen. Der Abend ist mit viel schrägem Humor gewürzt, auch wenn einem das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt.


















