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Zuletzt aktualisiert: 20.10.2012 um 22:03 UhrKommentare

Der vergessene Stadtpatron St. Ägyd

Der hl. Ägydius ist Schutzpatron der Stadt Graz und ihres Doms. Dennoch ist er fast unbekannt - trotz des Ägydimarkts und vieler Ägydikirchen.

Wie mit der Burg war die Ägydikirche auch mit dem Jesuitenkolleg durch einen Verbindungstrakt, gelb, verbunden

Foto © KKWie mit der Burg war die Ägydikirche auch mit dem Jesuitenkolleg durch einen Verbindungstrakt, gelb, verbunden

Der Legende nach war Ägydius ein Grieche, der um 640 n. Chr. in Athen geboren wurde und sein Erbe unter den Armen verteilte. Er heilte Kranke und lebte schließlich als Einsiedler in der Provence. Dort ernährte er sich von Kräutern und der Milch einer Hirschkuh.

Als der Westgotenkönig Wamba diese Hirschkuh auf der Jagd verfolgte und einer seiner Jäger auf sie schoss, traf der Pfeil den Einsiedler, der das Tier schützen wollte. Ägydius weigerte sich, seine Wunde behandeln zu lassen, er wollte nur, dass der König ein Kloster für seine Mönche errichtete - das nach ihm benannte Kloster Saint Gilles, dem er auch als Abt vorstand.

Traungauer Erbe

Um das Jahr 1000 war der hl. Ägydius einer der Nationalheiligen der Franken, der durch die Christianisierung der Alpenländer über Salzburg nach Karantanien kam. Als die Traungauer Otakare mit der Markgrafschaft im Osten belehnt wurden und die Steiermark 1180 zum Herzogtum erhoben wurde, verlegte Otakar IV. seinen Stammsitz von Steyr nach Graz. "Es ist anzunehmen, dass die Otakare außer ihrem Wappen, dem Panther, auch die Ägydius-Verehrung in die Steiermark mitgebracht haben", schreibt Karlpeter Elis im soeben erschienenen Buch "Der heilige Ägydius".

Im 12. Jahrhundert erreichte die Beliebtheit des Heiligen ihren Höhepunkt. Er ist einer der 14 Nothelfer und Patron der Jäger, Hirten, der stillenden Mütter, des Viehs, der Händler und wird als Wetterpatron angerufen. Dargestellt wird der Heilige mit einer Hirschkuh, die von einem Pfeil getroffen ist, manchmal steckt der Pfeil auch in seiner Brust. Sein Gedächtnistag ist sein Todestag - der 1. September, an diesem Tag findet auch heute noch der Ägydimarkt in Graz statt. Unter seinen verschiedenen Namen von Ägydius über Egyd, Ilg, Gilgen bis Gilles sind 3000 Kirchen in Mitteleuropa nach ihm benannt, allein in der Steiermark sind es 18. Darunter St. Ägyd in Semriach, St. Egidi bei Murau und die Grazer St. Gilgenkirche (Ägydiuskirche, heute Dom).

Der Sohn war schuld

"Die baulichen Anfänge dieser ältesten St.-Gilgen-Kirche zu Graz muss man sich, wie damals üblich, als Erweiterung einer Holzkapelle zu einem romanischen Steinbau vorstellen, der eine flache Decke mit offenem Dachgestühl besaß", schreibt Elis. Und der Dom hat ihn auch zu seinen Forschungen angeregt - oder genauer gesagt, sein Sohn Raffael, der dort seit dem vierten Lebensjahr als Ministrant tätig war. Eines Tages hat sich der Bub das Altarbild genauer angesehen und wollte wissen, was da mit diesem Ägydius los wäre. Weil die Antwort anscheinend unbefriedigend war, verfolgte ihn das Bild weiter - und Raffael schrieb als Fachbereichsarbeit seiner Matura über den hl. Ägydius - und legte so die Basis für das Buch seines Vaters.

Doch zurück zur Grazer Ägydikirche: Als Standort dieser Wehrkirche wählte man eine Hochterrasse außerhalb der ersten Stadtmauer. 1203 wurde der erste Gilgenpfarrer von Graz, Heinrich der Pernecker, als Kaplan des Herzogs erwähnt. Mit der Erweiterung der städtischen Befestigungsanlagen im Osten um 1336 dürfte auch die Ägydikirche in den Schutz der Stadtmauer gekommen sein. Ab 1438 ließ Kaiser Friedrich III. die Grazer Burg errichten, in der heute noch der Landeshauptmann seinen Amtsgeschäften nachgeht. Aus Dank für den Sieg über die Türken ließ er auch anstelle der Ägydikirche einen Dom bauen, der wiederum dem hl. Ägydius geweiht wurde.

Bis zum 15. Jänner 1772 war dieser nicht nur Schutzpatron der Stadt Graz und des Domes, sondern auch Landespatron der Steiermark. An diesem Tag erklärte Maria Theresia den hl. Josef offiziell auch für Innerösterreich zum örtlichen Landespatron - und so geriet der hl. Ägydius langsam in Vergessenheit.


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