"Es war nie mein Ziel, Politiker zu werden"
FPÖ-Spitzenkandidat Mario Eustacchio will Platz 2 schaffen, aber keine Koalition eingehen. Er will ein Kopftuchverbot und keine "gmütliche Hacke" mehr.

Foto © KLZ/ Hoffmann"Ich bin nicht ausgelastet": FP-Chef Eustacchio über sein Leben als Stadtrat
S ie sind vom Bankenbereich in die Politik gewechselt. Beides Berufsfelder mit angekratztem Image. Beliebtheitswerte scheinen Ihnen egal zu sein.
MARIO EUSTACCHIO: Ich habe mir darüber vor dem Wechsel in die Politik keine Gedanken gemacht. Für mich war die Herausforderung das Spannende. Es war nie mein Ziel, Politiker zu werden.
Ein Schicksalsschlag?
EUSTACCHIO: Ich bin da hineingerutscht, als Folge der islamkritischen Aussagen der Kollegin Susanne Winter ("Im heutigen System ist dieser Mohammed ein Kinderschänder", Anm.).
Winter sitzt noch immer im Nationalrat.
EUSTACCHIO: Das war der Kompromiss. Wenn die Spitze der FPÖ sagt, ich möchte die und die Person haben, dann wird es so gemacht. Jeder muss sich sein Team selbst zusammenstellen.
In Ihrem eigenen Team ist Winters Sohn - ebenfalls rechtskräftig verurteilt - Bezirksparteiobmann.
EUSTACCHIO: Ja, und so bleibt es auch. Er hat als 17-Jähriger einen Blödsinn gesagt ("Als Maßnahme gegen muslimisch-türkische Vergewaltigungen sollte man eine Schafherde im Stadtpark grasen lassen", Anm.) und wurde dafür bestraft. Jedem anderen jungen Menschen gewähren wir, dass er sich bessern kann. Auch Winter hat das Recht darauf. Wenn er in Zukunft wieder so einen Schwachsinn sagt, dann sag' ich: "Bitte weg!"
Wird er von Ihnen unterstützt werden, um in höhere Positionen in der FPÖ zu kommen?
EUSTACCHIO: Nein. Seine Funktion ist im Bezirk. In meiner Ära wird er nicht Gemeinderat.
Zuletzt sind auch von Ihnen über eine anonyme Anzeige Jugendsünden publik geworden.
EUSTACCHIO: Auch ich habe als Jugendlicher viel aufgeführt. Mit 16, 17 war ich von der Rolle.
Hormongesteuerte Aggressivität?
EUSTACCHIO: Auch. Wir waren eine ganze Partie, die nur Blödsinn gemacht hat. Das war so, ich stehe dazu, bin nicht stolz darauf, aber ich will es auch nicht leugnen. Ich habe daraus gelernt.
Ihr Wahlziel?
EUSTACCHIO: Ich versuche, nicht Traumtänzer zu sein: 15 Prozent plus. Das wäre ein gesundes Wachstum gegenüber den 10,8 Prozent von 2008. Damit will ich Platz zwei schaffen.
Mit wem wollen Sie dann zusammenarbeiten?
EUSTACCHIO: Ich bin gegen Koalitionen. Da verbiegt man sich nur und es gibt nur Tricksereien. Thematische Übereinstimmungen ja, aber nicht weg von den eigenen Grundsätzen.
Sie hatten eine "geschlechtergerechte Liste" angekündigt...
EUSTACCHIO: ... habe ich das so gesagt? Diese Begrifflichkeiten sind schon so mühsam.
Auf den ersten zehn Plätzen sind drei Frauen. Ist das Ihr Ausdruck von Geschlechtergerechtigkeit?
EUSTACCHIO: Für mich ist Quote und Gender kein Thema. Ich beurteile die Person unabhängig von ihrem Geschlecht.
Wo bleiben die Themen der FPÖ in diesem Wahlkampf?
EUSTACCHIO: Die kommen noch. Wir werden am 30. Oktober unser Wahlprogramm präsentieren.
Können Sie einen Schwerpunkt verraten?
EUSTACCHIO: Die sind ohnehin aufgelegt, Verkehr zum Beispiel. Da wollen wir eine grüne Welle und einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr.
Sind Sie für Eingemeindungen?
EUSTACCHIO: Selbstverständlich, aber ohne Zwangspenetration.
Warum sind Sie gegen Moscheenbauten in Graz?
EUSTACCHIO: Weil sie keine normalen Gotteshäuser sind, sondern ein Symbol für einen Machtanspruch einer Religion.
Sind Sie für ein Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen und Unis?
EUSTACCHIO: Ja, das hat dort nichts verloren. Ist ja nicht unsere Kultur.
Was wäre Ihr Wunschressort?
EUSTACCHIO: Ich kann mir alles vorstellen. Wirtschaft und Verkehr wären reizvoll, aber auch mein jetziges, die Senioren.
Waren Sie die letzten fünf Jahre als Stadtrat ausgelastet?
EUSTACCHIO: Natürlich nicht. Aber ich habe mir das Ressort nicht zugeteilt. Ich habe nicht gesagt, ich will eine gmütliche Hacke. Ich hätte gerne mehr gemacht.
Wenn man Sie nicht mehr machen lässt, könnten Sie einen Teil Ihres Gehalts ja spenden.
EUSTACCHIO: Ich habe mir ein Lebensniveau aufgebaut und eine Verantwortung meiner Familie gegenüber, es zu halten. Daher geniere ich mich nicht, das Geld zu verdienen. Ich bin kein Kommunist. INTERVIEW: KLAUS HÖFLER, JULIA SCHAFFERHOFER
















