Der Nazi-Krieg aus privaten Alben
Wehrmachtssoldaten sollten Propagandafotos knipsen, fingen aber auch das Grauen des Krieges ein. Ab Samstag kann man die Aufnahmen dieser zum Glück längst vergangenen Zeit im Joanneum betrachten.

Foto © APA
Eine beklemmende Ausstellung für alle, die Interesse am Zweiten Weltkrieg haben, ist ab heute geöffnet: Hier leben die persönlichen Erinnerungen der Soldaten in ihren Fotoalben weiter. Diese sind eine wichtige zeitgeschichtliche Quelle, gleichzeitig machen die privaten Knipserbilder aber deutlich, wie die Fotografen den Krieg gesehen haben und nicht, wie er wirklich war.
Im Jahr 1939 besaßen rund zehn Prozent aller Deutschen einen Fotoapparat. Freiwillig folgten viele Soldaten der Aufforderung des Propagandaministeriums, ihre Kameras auch an der Front einzusetzen und ihre Bilder nach Hause zu schicken. So sollte der Zusammenhalt zwischen Front und Heimat gestärkt werden.
Während anfangs der Soldatenalltag, fremde Menschen und Kulturen fotografiert wurden, kamen bald schon Zerstörung und Kriegsgrauen ins Bild. Immer schneller entglitten die Soldatenfotos der Zensur und zeigten Erschießungen und Vergewaltigungen. So ist das scheinbar idyllische Foto einer Frau, die durch einen Wasserlauf watet, gar nicht idyllisch - die Frau wird hier als "Minensuchgerät 42" eingesetzt.
"Ein grenzgängerisches Projekt zwischen der Ästhetik der Fotografie und dem Kontext des Weltkrieges", betont Kuratorin Petra Bopp. Sie hat ihre Ausstellung bereits erfolgreich in Deutschland und den Niederlanden gezeigt und bringt sie nun erstmals nach Österreich, wo sie in Graz mit privaten Fotos aus der Steiermark ergänzt wurde.

















