Die Krise erreicht Graz
Schlechte Post für Magna-Steyr: Die Nissan-Luxusmarke Infiniti zieht den Fertigungs-Auftrag des exklusiven Kompaktwagens in Graz zurück. Umso wichtiger wird für die Firma jetzt der von BMW angekündigte Fertigungsauftrag.

Foto © Jürgen Fuchs
Die Absatzkrise in Europa greift um sich - jetzt hat sie auch Graz erreicht. Und diese Nachricht ist ein Schock: Der japanische Luxuswagen-Hersteller Infiniti teilte dem Management von Magna-Steyr mit, den für 2014 geplanten neuen exklusiven Kompaktwagen nun doch nicht in der Steiermark, sondern im englischen Nissan-Werk fertigen zu lassen.
Eine bittere Pille für die Grazer, die den Auftrag de facto fix in der Tasche wähnten, hatte die Nissan-Tochter doch im März offiziell die Fertigung des Premium-Modells verkündet. In Graz sprach Europa-Chef Günther Apfalter von einem "Meilenstein", hätte doch erstmals ein asiatischer Anbieter bei Magna ein Auto entwickeln und bauen lassen. Die geplante Stückzahl lag bei 50.000. Der Entwicklungsauftrag des Modells bleibt freilich aufrecht: Derzeit wird der Viertürer, der Komponenten von Mercedes nutzt (Plattform, Motoren), bei Magna zur Serienreife gebracht. Der Bau des Infiniti hätte einige Hunderte Arbeitsplätze bei Magna geschaffen. Laut Apfalter habe das Nissan-Projektteam seine Bereitschaft bekundet, "mit Magna zusammenzuarbeiten, wenn sich künftig Gelegenheit zur Fertigung bieten sollte".
Hoffen auf BMW
Die Entscheidung der Japaner, die Wagen in England zu bauen, hat mit den zum Teil dramatischen Absatzeinbrüchen in Europa zu tun, die alle Hersteller zu spüren bekommen. Weil aus diesem Grund auch die Konzernmutter Nissan Anpassungen vornehmen und die Produktion zurückfahren muss, werden im eigenen Werk in Sunderland Kapazitäten frei - die jetzt von der Edel-Tochter Infiniti genutzt werden müssen.
Umso wichtiger wird jetzt der von BMW angekündigte Fertigungsauftrag, der nach Ablauf des Mini-Jobs (2016) das Loch in Graz füllen soll. Bei Magna hofft man, bis Jahresende alles in trockenen Tüchern zu haben. Derzeit wird in Graz gerade mit der Produktion des Mini Paceman gestartet, zusammen mit dem Countryman sollen 2013 etwa 120.000 Stück vom Band laufen. Vom Peugeot RCZ wird man noch rund 10.000 Einheiten bauen, während der "G" deutlich drüberklettern soll.
Inzwischen macht bei Magna das Gerücht die Runde, dass Burkhard Göschel, der oberste Technik-Chef von Magna, den Konzern verlassen wird. Sein Vertrag läuft mit Jahresende aus.

















