Patient tot: Staatsanwalt ermittelt
46-jähriger Steirer musste am LKH Graz auf OP warten - und verstarb, noch bevor er operiert werden konnte. Klinikleitung weist Vorwürfe zurück: "Da besteht kein Zusammenhang."

Foto © APASind am Grazer Uni-Klinikum nachmittags zu wenige OP-Teams im Einsatz? Warum verstarb der Patient auf der Chirurgie? Jetzt sind die Gutachter am Wort
Ein 46-jähriger Steirer verstarb, während er auf seine Bauchoperation wartete, die verschoben werden musste. Die zentrale Frage in diesem Fall lautet: Wäre der Patient zu retten gewesen, wenn man ihn gleich operiert hätte? Der Fall wurde von der Klinik automatisch an die Staatsanwaltschaft gemeldet. Deren Sprecher Hansjörg Bacher sagt: "Die Spezialgutachten werden erst erstellt." Gernot Brunner, der ärztliche Direktor des Uni-Klinikums: "Derzeit besteht kein Hinweis, dass der Tod des Patienten und die Wartezeit auf die Operation in einem Zusammenhang stehen."
War eine Rettung möglich?
Hans-Jörg Mischinger, Vorstand der Chirurgie am Uni-Klinikum, will dem Bericht der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen, erklärt aber: "Wir müssen die Gutachten abwarten. In irgendeiner Weise könnte das mit einem Kapazitätsproblem zu tun haben. Wir werden versuchen, das Dienstkontingent zu erhöhen." Die Warnungen, dass es spätnachmittags zu wenige OP-Teams gebe und man im Notfall nicht reagieren könne, sind bekannt. Bisher lief aber alles glatt.
Der Patient, der auch an Nierenproblemen litt, hatte dem Vernehmen nach starke Bauchschmerzen. Er war bereits am Vortag zur Behandlung am Uni-Klinikum. Seine Operation war nach weiteren Untersuchungen angesetzt. Aber, wie auch Mischinger bestätigt, alle vorhandenen Teams waren im OP-Einsatz. Und als der 46-Jährige an der Reihe gewesen wäre, kam ein weiterer - von den Ärzten als dringlicher bewerteter - Fall auf den OP-Tisch.
Der Patient musste wieder retour in die Aufnahme. Eigentlich ein alltäglicher Vorgang, weil OP-Verschiebungen zur Tagesordnung gehören. Das ist unbestritten. Aber gegen 19 Uhr verschlechterte sich der Zustand des Patienten dramatisch, er hatte einen Darmdurchbruch. "Wenn wir die Möglichkeit gehabt hätten, dann hätten wir früher operiert", so Mischinger.
Drei Chirurgieteams
Doch am späten Nachmittag stehen in der größten Chirurgie des Landes nur noch drei Teams (Allgemein, Unfall- und Herzchirurgie) zur Verfügung. Was wiederum nichts mit den aktuellen Spitalssparplänen zu tun hat: Dieses Arbeitssystem wurde schon vor Jahren implementiert.
Der ärztliche Direktor Brunner verweist auf die Möglichkeit, "dass man bei Engpässen auch Personal an die Klinik beordern könnte. Das geschieht im Anlassfall. "Aber in diesem Fall war das einfach nicht vorhersehbar. Der Patient ist völlig unerwartet gestorben."
Seit dem 8. Oktober sind laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Hansjörg Bacher "sicherheitsbehördliche Erhebungen in Auftrag gegeben". Bis spätestens Mitte November wird mit den Ergebnissen zu diesem Fall gerechnet.
















