Auf lange Sicht
Am gestrigen "Tag des weißen Stocks" kamen Volksschulkinder ins Zentrum des Blinden-verbandes. Es geht um eine möglichst frühe Bewusstseinsbildung.

Foto © HoffmannBeim Blinden- und Sehbehindertenverband Steiermark wurden gestern Volksschüler im Umgang mit Blinden sensibilisiert
Im Gänsemarsch, sich an den Schultern des Vordermannes festhaltend, gehen die Kinder in den stockfinsteren Raum. Man sieht die eigene Hand nicht vor den Augen, die Orientierung fällt schwer. Ein bisschen unheimlich ist es schon, wenn man nicht weiß, ob man auf ein Hindernis stoßen könnte. Doch die Mitarbeiter des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Steiermark geben acht, dass nichts passiert.
Im Rahmen einer Sensibilisierungsaktion ertasteten gestern, am "Tag des weißen Stocks", 78 Erstklassler der VS Fischerau Dinge im Zentrum des Blindenverbandes. Neben dieser Station konnten sich die Kinder im Garten mit geschlossenen Augen und Blindenstock entlang des Leitsystems hanteln und erahnen, wie Blinde den Weg meistern.
"Blinde Menschen sind keine Aliens, sondern wie alle anderen", betont Psychologin Sonja Hameter, die selbst nur mehr über fünf Prozent ihrer Sehkraft verfügt. Das zeigte sich auch beim Torball, wo Schüler mit Augenbinden versuchten, einen Ball mit Glöckchen zu orten. Am Ende des Probelaufs der Aktion, die auch in Zukunft für Schulklassen geplant sei, erhielten alle Erstklassler eine Urkunde und einen Heliumballon. Bei der Sensibilisierung "geht es uns um die möglichst frühe Bewusstseinsbildung. Gerade Kinder haben keine Scheu im Umgang mit Menschen mit Behinderung und geben ihre Erfahrung weiter."
Schleife für "Falschparker"
Um auf die Problematik von Blinden aufmerksam zu machen, wurden diese Woche auch "falsch geparkte Fahrräder" in der Grazer Innenstadt mit einer bunten Papierkette abgesperrt. "Die Menschen sind sich nicht bewusst, dass blinde Menschen bei der Orientierung mit dem Langstock auf Gehsteigkanten oder Hauswände angewiesen sind", erläutert Obmann Ben David Jost. "Falsch geparkte Räder erschweren diese Orientierung beträchtlich." Bei der Aktion ginge es keineswegs um Konfrontation. Ziel war es, auf die Problematik aufmerksam zu machen - auf Unsichtbares für Blinde und auf ein sichtbares Miteinander.
















