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    Zuletzt aktualisiert: 12.10.2012 um 18:08 UhrKommentare

    "Gemeinsame Lösung muss erarbeitet werden"

    Marguerite Dunitz-Scheer von der MedUni Graz erklärt, wie eine gemeinsame Obsorge funktionieren kann.

    Psychologin Marguerite Dunitz-Scheer hat eine Patchwork-Familie

    Foto © KLZ/KanizajPsychologin Marguerite Dunitz-Scheer hat eine Patchwork-Familie

    Frau Dunitz-Scheer, welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei der gemeinsamen Obsorge?

    DUNITZ-SCHEER: Ich sehe gar keine Nachteile. Es gibt nur Vorteile, wenn Eltern wie Erwachsene denken und alles für das Kindswohl entscheiden. Falsch wäre es, sich von gekränkten Gefühlen leiten zu lassen. Für ein Kind ist es nur von Vorteil, wenn es beide Eltern hat.

    Könnte es nicht Problemen geben, wenn sich Eltern nach der Trennung nicht verstehen?

    DUNITZ-SCHEER: Das liegt bei den Eltern. Jede Schrägmachung gegenüber dem Kind ist schlecht. Für Kinder, vor allem Buben, ist es sehr schwer, wenn der Vater nur mehr ein Wochenendbesucher ist und zum Wochenend-Kasperl wird. Viele glauben, es sei praktischer, wenn nur einer Entscheidungen trifft, doch das ist eine vordergründige Lösung. Das Risiko ist recht hoch, dass derjenige die Entscheidungen nur zu seinem Wohl, aber nicht zugunsten des Kindes trifft.

    Wie kann eine gemeinsame Obsorge funktionieren?

    DUNITZ-SCHEER: Man muss eine gemeinsame Lösung im Sinne der Kinder erarbeiten. Es gibt kein ,richtiges' Gespräch, das die Sache löst. Wichtig ist, dass man mit den Kindern die Situation konkret bespricht. Es hat keinen Sinn zu sagen, dass der Papa auf Geschäftsreise ist, wenn er seit Wochen nicht mehr zu Hause wohnt. Da das emotionale Gleichgewicht von der äußeren Atmosphäre abhängt, zählt eine transparente Kommunikation. Kinder können mit der Wahrheit konstruktiv umgehen. Man darf sie nicht unterschätzen und sollte sie auch in den Entscheidungsprozess einbinden. Besser ist es außerdem, nur kurzfristig zu planen.

    Sie sind selbst betroffen. Wie erging es Ihnen zu Beginn?

    DUNITZ-SCHEER: Es gab nur einen Weg. Wir wollten das gemeinsame Sorgerecht, das war rechtlich noch nicht möglich. Praktisch haben wir es aber gelebt. Doch es muss tatsächlich praktikabel sein. Bei uns etwa ist für die Kinder in beiden Häusern alles vorhanden, sie liegen im gleichen Sozialraum und die Häuser sind zu Fuß erreichbar.

    Katharina Pillmayr

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