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Zuletzt aktualisiert: 10.10.2012 um 21:05 UhrKommentare

Der Steiermark gehen die Jungen aus

Warum die Steiermark bald von Senioren dominiert wird, die Bevölkerung im Gegensatz zum Bundestrend nicht wächst und welche Regionen vom Aussterben bedroht sind.

Der Steiermark geht die Jugend aus

Foto © APA/SujetDer Steiermark geht die Jugend aus

Die Steiermark leuchtet bald weiß-grau statt weiß-grün, und dennoch zeigt die neue Bevölkerungsprognose von Statistik Austria manch düsteren Ausblick für unser Bundesland. Während Österreichs Bevölkerung wie berichtet von derzeit 8,4 Millionen auf 9,4 Millionen im Jahr 2060 anwachsen wird, steigt die Steirerzahl bis 2030 nur minimal, um dann bis 2060 sogar wieder leicht zu schrumpfen. Und jene, die hier wohnen, gehören immer häufiger der älteren Generation an. Kurz: Der Steiermark geht die Jugend aus.

Welche Ursachen und Folgen das hat, erläutert für die Kleine Zeitung Konrad Pesendorfer, Generaldirektor von Statistik Austria: "Das ganz große Thema der Steiermark ist die negative Geburtenbilanz, die sich sogar verschärfen wird." Während derzeit um 1500 Steirer pro Jahr mehr sterben als geboren werden, wird sich dieser negative Saldo bis 2060 mehr als verdreifachen - auf 5000 pro Jahr. Dass die Bevölkerung in der Steiermark dann nicht schrumpft, liegt laut Pesendorfer ausschließlich an der Zuwanderung. Sowohl aus anderen Bundesländern, vor allem aber aus dem Ausland.

Schon jetzt leben in der Steiermark weniger junge Menschen und mehr alte Leute als im Bundesschnitt, dies wird sich weiter verschärfen. Bis 2060 sinkt die Zahl der unter 20-jährigen Steirer um zehn Prozent. Diese Gruppe macht dann nur noch 17,3 Prozent der Bevölkerung (österreichweit 19,3 Prozent) aus. Indes wird sich der Anteil der Steirer über 65 fast verdoppeln - auf 31 Prozent im Jahr 2060 (Österreich 28,9 Prozent). Mit bekannten Folgen: "Das Pensionssystem steht vor enormen Umbrüchen, weil der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter immer geringer wird und gleichzeitig weniger jüngere hineinwachsen."

Ebenfalls deutlich intensiver als im Bundesschnitt hat die Steiermark künftig mit dem Problem "Landflucht" zu kämpfen, "insbesondere in den aussterbenden Industrietälern der Obersteiermark", so Pesendorfer. Nirgendwo in Österreich fällt der Bevölkerungsrückgang bis zum Jahr 2050 stärker aus als in den Regionen im Murtal (minus 19,7 Prozent in Murau, minus 15,6 Prozent in Judenburg) und Mürztal (minus 16,1 Prozent in Mürzzuschlag). Umgekehrt werden Graz (plus 13 Prozent) und der Speckgürtel um die Hauptstadt (plus 19 Prozent) immer größer. Wolf Huber empfahl daher schon vor zwei Jahren als Sektionschef für Regionalpolitik im Bundeskanzleramt: "Wäre ich der Bürgermeister von Murau, würde ich den Zuwanderern den roten Teppich auslegen.

Es gibt aber auch Lichtblicke: Laut Pesendorfer wird die Zahl der Kinder pro Frau in der Steiermark steigen. Von derzeit 1,33 auf 1,49 Kinder, nur werden die Steirerinnen später Mütter. "Es gilt das Motto: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben." Dass die Geburtenbilanz dennoch negativ ausfällt, liege ganz einfach daran, dass es weniger Frauen im gebärfähigen Alter gibt.

31% der Steirer werden im Jahr 2060 älter als 65 Jahre sein. Die Lebenserwartung der Steirerinnen steigt bis dahin auf 90,7 Jahre (derzeit 83,8), jene der Steirer auf 87,2 Jahre (derzeit 78,2 Jahre).

300.000 Einwohner - diese Marke hat die Stadt Graz kürzlich (samt Nebenwohnsitzen) geknackt. Langfristig dürfte jeder zweite Steirer im Großraum Graz wohnen. Vor allem Frauen zeigen sich mobil, 59 Prozent der jungen Steirerinnen machen ihren Wohnort laut Boku-Studie vom Partner abhängig.

1.213.255 Menschen leben derzeit in der Steiermark, darunter fallen 87.713 Nicht-Österreicher (das entspricht 7,2 Prozent). Die größte Gruppe (25.801) kommt aus Ländern des ehe- maligen Jugoslawien. Die Geburtenzahl sank im ersten Halbjahr 2012 um 0,6 Prozent auf 4837 Babys.

49,8 der neugeborenen Kinder in der Steiermark stammen von nicht verheirateten Eltern. Damit liegen die Steirer bei unehelichen Kindern hinter den Kärntnern (54,3 Prozent) auf Rang zwei. Im Bundesschnitt liegt dieser Anteil "nur" bei 40,9 Prozent.


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