Von Witz und Wahrheit
Yael Ronens "Hakoah Wien" hat am Samstag im Grazer Schauspielhaus Premiere. Ein Stück über Selbst- und Fremdsteuerung, Identität und Fußball.

Foto © LUPI SPUMA Die Regisseurin Yael Ronen gilt als eine der prominentesten und provokantesten Theaterkünstlerinnen Israels
Die Produktionen "Third Generation" (2008) mit israelischen, palästinensischen und deutschen Schauspielern der dritten Generation nach der Shoah und "The Days Before the Last Day" (2011) machten Yael Ronen international bekannt. Die Dramaturgen des Grazer Schauspielhauses wurden bei einer Aufführung der Berliner Schaubühne auf die junge Regisseurin aufmerksam. Nun inszeniert Ronen erstmals in Österreich und probt seit eineinhalb Monaten in Graz.
In "Hakoah Wien" geht es um Emigration, Nationalgefühl, Identität, Männlichkeit. Und um Fußball natürlich. Ronens Großvater war Mitglied des legendären Sportclubs Hakoah (hebräisch: Kraft). Er warf seine österreichischen Papiere weg und wanderte nach Israel aus. 2002 starb er 99-jährig.
In einer Mix aus Biografie und Fiktion erzählt "Hakoah Wien" die Geschichte von Ronens Bruder Michael, ebenfalls Regisseur und in Graz als Schauspieler mit dabei. Wichtig war der 36-Jährigen, die bei ihrer Spurensuche in Wien vor dem ehemaligen Haus der Großeltern stand, dass alle österreichischen, deutschen und israelischen Ensemblemitglieder am Text arbeiteten. Im Sprachenmix wurde auch viel improvisiert, das Endergebnis ist aber auf Deutsch; einige hebräische Passagen werden mit Untertiteln versehen.
Mit ihrem 30-jährigen Bruder arbeitet Yael Ronen das erste Mal: "Da gibt es durchaus eine Menge Bruder-Schwester-Konflikte. Wir sind aber doch aus dem Alter heraus, wo man sich schlägt", lacht sie.
"Hakoah Wien" hat natürlich viele ernste Facetten, etwa wenn das Tabu Homosexualität in der Fußballwelt thematisiert wird. Aber nicht nur. Beim Theaterfest des Schauspielhauses erntete die Vorschau jedenfalls viele Lacher. Ob sie über den berühmten jüdischen Humor verfüge, kann Ronen nicht sagen: "Es ist einfach mein persönlicher Stil, mein Werkzeug, mein Zugang". So kommentiert zum Beispiel Schauspieler Sebastian Klein im Stück eine Beziehungskrise im Habitus eines aufgeregten Sportmoderators: "Jetzt ist ein ganz spannender Moment!" Als Publikumsreaktion wünscht sich Yael Ronen jedenfalls nur eins: "Niemand möge einschlafen oder in der Mitte des Stücks gehen".
"Hakoah Wien" von Yael Ronen. Premiere am 13. Oktober, 19.30 Uhr, Schauspielhaus Graz. Karten: Tel. (0 31 6) 8000. www.theater-graz.com

















