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    Zuletzt aktualisiert: 09.10.2012 um 08:15 UhrKommentare

    Der Kampf um den Müll spitzt sich zu

    G7-Titelgeschichte über Müllsammler vor dem Grazer Sturzplatz sorgt für Aufregung bei den Lesern. Außerdem zeigt sich, dass sich Müll zu einem begehrten Gut gemausert hat.

    Die einen sehen die Sammler als willkommene Zweitverwerter, die anderen fühlen sich von ihnen unter Druck gesetzt

    Foto © Gery Wolf Die einen sehen die Sammler als willkommene Zweitverwerter, die anderen fühlen sich von ihnen unter Druck gesetzt

    D er Kampf um den Müll spaltet die Geister. Der Bericht in G7 über "Müllpiraten", die vor dem Sturzplatz Müll sammeln, hat offenbar einen wunden Punkt getroffen. Positiv wie negativ. Die einen fühlen sich von den Sammlern unter Druck gesetzt. Die anderen wollen Gutes tun und freuen sich verständlicherweise, wenn Gebrauchtes weiterverwendet wird.

    Der Grazer Jurist Martin Eisenberger hat sich mit den Sammlern auseinandergesetzt und kommt zu folgendem Schluss: "Hier werden wichtige Rohstoffe abgezogen. Laut einer aktuellen Studie der Montanuni Leoben liegt die Reparaturwahrscheinlichkeit bei dem Müll, den die Sammler mitnehmen, zwischen 15 und 20 Prozent. Sie sind organisiert. Man hat schon viele Autos an der Grenze festgesetzt. Die 600 Euro Strafe zahlen sie selbst oder jemand kommt und löst sie aus."

    Joachim Hainzl - Sozialpädagoge und Sozialhistoriker von Xenos, Verein zur Förderung der soziokulturellen Vielfalt, und Verfasser der Menschenrechtsbildungsstrategie - war einer der Ersten, der sich nach dem G7-Bericht gemeldet hat. "Auf dem Grazer Sturzplatz von ,Müll-Mafia' zu sprechen, suggeriert für mich ein kriminelles Netzwerk, das ich bei informellen Müllsammlern nicht erkennen kann. Niemand kann sich in die Sammler hineinversetzen, deswegen haben sie bei uns auch keine Lobby."

    Und was ist mit jenen Grazern, die sich beim Sturzplatz gleichsam unter Druck gesetzt fühlen? "Aber nur weil jemand ein unangenehmes Gefühl auslöst, kann ich doch nicht einfach Menschen beseitigen, um mich subjektiv sicherer zu fühlen", kritisiert Hainzl.

    Entsorgung

    Im Rahmen dieser Diskussion wird auch immer das ökologische Argument ins Spiel gebracht, dass Unbrauchbares von den Sammlern nicht dementsprechend entsorgt wird.

    Stadtpolizeikommandant Kurt Kemeter: "Sachen, die nicht mehr gebraucht werden, werden irgendwo weggeworfen." Joachim Hainzl kontert: "Woher weiß ich, wo die Gefahrenstoffe landen, die in Graz entsorgt werden?"

    Daisy Kroker, Geschäftsführerin des Verbandes Österreichischer Entsorgungsbetriebe: "Diese Stoffe werden in Österreich, im Inland, umweltgerecht entsorgt. Das wird streng kontrolliert. Heutzutage versucht man, Wertstoffe aus dem Gesammelten wieder zurückzugewinnen. Durch die ?Müllpiraten' entgehen privaten und kommunalen Entsorgern riesige Abfallmengen."

    Sozialpädagoge Joachim Hainzl: "Was mich auch so stört, ist die Verrechtlichung des Mülls, man will sich hier anscheinend Wertvolles sichern. Natürlich stecken wirtschaftliche Interessen dahinter. Denn selbstverständlich lebt inzwischen ein ganzer Industriezweig von der Verarbeitung unseres Mülls."

    CARMEN OSTER

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