Kein "Cold Case" lässt ihn kalt
Hans Breitegger, seit 30 Jahren Kriminalreporter der Kleinen Zeitung, widmet sich in seinem neuen Buch ungeklärten Mordfällen.

Foto © SABINE HOFFMANN Hans Breitegger: "Solange es keinen Täter gibt, ist ein Fall nicht abgeschlossen"
Mord verjährt nicht. Gemeinsam mit der Tatsache, dass Hans Breitegger nichts vergisst und über einen untrüglichen Gerechtigkeitssinn verfügt, ist das eine gefährliche Kombination: für Mörder. "Solange es keinen Täter gibt, ist ein Fall nicht abgeschlossen", lautet das Credo des Chronik-Chefreporters der Kleinen Zeitung. Eine ganze Reihe von Fällen, die oft nach Jahrzehnten noch ungeklärt sind, hat der Journalist in seinem neuen Buch aufgelistet. "Cold Case" nennt man das. "Kalte Fälle." Doch keines dieser Verbrechen lässt den Autor kalt. Denn: "Hinter jedem Fall steht ein Schicksal."
Quälende Ungewissheit
"Dass jemand das Opfer eines Verbrechens wird, ist schlimm genug. Aber noch schlimmer für die Angehörigen ist es, nicht ab- schließen zu können, weil der Täter nicht gefasst wird." Hans Breitegger, nur nach außen hin ein "harter Kerl", geht es um die Würde des Menschen. Und um die Zerstörung dieser Würde, wenn ein Mensch gewaltsam ums Leben kommt. "Bei den Hinterbliebenen bleibt dann oft die quälende Ungewissheit." Warum ist jemand spurlos verschwunden? War es ein Unfall, ein Selbstmord - oder ein Verbrechen?
Von einem schaurigen Leichenfund im Jahr 1956 über den vergifteten Tanzlehrer 1972 bis zur unbekannten Autobahnleiche 2005 reicht der Bogen, den Breitegger über menschliche Abgründe spannt. Der letzte Fall hat den Kriminalreporter besonders beschäftigt - sieben Jahre lang. Immer wieder griff er den Fall auf, für die Kriminalisten hat er Kontakte zu ausländischen Medien geknüpft, doch lange ohne Erfolg. "Und als ich mit dem Buch fast fertig war, konnte endlich die Identität der jungen Frau, es handelt sich um eine Ukrainerin, festgestellt werden." Nachsatz: "Aber vom Täter fehlt noch immer jede Spur, also ist der Fall auch noch nicht abgeschlossen."
Der Hartnäckige
Hans Breitegger denkt klar und schreibt klar. Ohne Schnörkel, ohne Zuckerguss. Und das kann er nur, weil er ein gerader Mensch ist. Ein Mensch, der im Laufe seines Berufslebens tief in die Verkarstungen der menschlichen Seele geblickt hat, der aber dadurch selbst nicht versteinert ist. "Hartnäckigkeit und ein gutes Netzwerk" nennt er als wichtigste Voraussetzungen für einen guten Kriminalreporter. "Und kriminalistischer Spürsinn." Landläufig "a guater Riacher" genannt. Breitegger hat ihn oft gehabt, diesen Riacher: beim Fall Paflik, wo die Pflegemutter und ihre Hausgehilfin geistig behinderte Kinder und Jugendliche misshandelt und ein Mädchen umgebracht haben. Oder im Fall Unterweger, wo er als Erster Informationen über den Serienmörder zutage förderte. "Bei dieser Materie klingt das vielleicht eigenartig", lächelt Breitegger. "Aber mein Beruf macht mir noch immer Spaß."
Sein neues Buch entstand nach mühsamen Recherchen in diversen Archiven und vielen Gesprächen mit Angehörigen. Dadurch bekamen leblose Akten wieder eine Geschichte und die Opfer ein Gesicht. "Einige Fälle im Buch sind aufklärbar, und das wird auch passieren", ist Breitegger überzeugt. Und jeder, der ihn kennt, weiß, dass er keine Ruhe geben wird, bevor er wieder heiße Spuren zu den kalten Fällen findet.
Features
FAKTEN
Hans Breitegger präsentiert sein Buch am Dienstag, 9. Oktober, um 17 Uhr in der Steiermärkischen Landesbibliothek, Kalchberggasse 2, Graz.
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich: www.landesbibliothek. steiermark.at/termine
FAKTEN
Hans Breitegger: "Cold Case - Mörder unter uns. Ungeklärte Mordfälle in der Steiermark". Edition Kleine Zeitung. 16,90 Euro.
Erhältlich ab Montag in allen Regionalbüros der Kleinen Zeitung und in den Servicecentern.












