Uni Graz nimmt Europa-Klimapolitik unter Lupe
CO2-Emissionen, die in Europa aufgrund von stringenten Vorgaben für den Klimaschutz eingespart werden, könnten die Emissionen in Ländern mit niedrigeren Klimastandards in einem bisher unterschätzten Ausmaß steigern.

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Zu diesem Schluss kommt eine Forschergruppe am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz. Die kürzlich im Fachjournal "Energy Economics" publizierte Studie hat die Auswirkungen europäischer Klimapolitik auf globaler Ebene untersucht, wie die Universität am Donnerstag mitteilte.
CO2-Verlagerung
Die Problematik ist bekannt: Infolge einseitiger Vorgaben und strenger Richtlinien für den Klimaschutz in den EU-Mitgliedsländern könnten energieintensive Industriezweige mittelfristig aus Europa abwandern - in Regionen ohne Umweltauflagen. Letztlich trägt das zu einer CO2-Verlagerung ("carbon leakage") bei und nicht unbedingt zum globalen Umweltschutz. "Eine Abwanderung von stark emittierenden Industrien in nicht-regulierte Entwicklungsländer oder andere Rückwirkungen über den Weltmarkt erhöhen die Emissionen in diesen Regionen", so Volkswirt Karl W. Steininger. Entscheidend für den globalen Klimawandel sei letztendlich aber nur die Nettowirkung der EU-Politik auf globaler Ebene, betont der Ökonom. Und diese würde sich durch negative Rückwirkungen vermindern.
Die Größenordnung der Rückwirkungen sei in bisherigen globalen Modellen deutlich unterschätzt worden, sagte der Wissenschafter. Das liege daran, dass sich Analysen bisher nur auf Verbrennungsemissionen konzentriert hätten. "Diese machen zwar 90 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen aus, aber die restlichen zehn Prozent - sogenannte Prozessemissionen, die etwa bei der chemischen Umwandlung der Einsatzstoffe für Zement entstehen - sind für die von der Abwanderung bedrohten Sektoren besonders relevant", meinte Steininger. Seine vom Klima- und Energiefonds im Austrian Climate Change Research Programme geförderte Forschungsgruppe hat die Prozessemissionen nun erstmals in die Analyse einbezogen.
Einseitige EU-Emissionsminderungspolitik
Das Ergebnis: "Einseitige EU-Emissionsminderungspolitik verliert knapp 40 Prozent ihrer ursprünglichen Emissionen - eingespart in den Ländern der Europäischen Union - durch einen eben in dieser Größenordnung direkt dadurch hervorgerufenen Mehrausstoß in anderen Weltregionen." Für sinnlos hält Steininger die EU-Klimapolitik deshalb aber nicht: Spezielle Auflagen, zum Beispiel Ausgleichszölle für Importgüter, deren Herstellung hohe CO2-Emissionen verursacht, würden auch einer unilateralen Klimapolitik globale Wirksamkeit verleihen, so Steininger.
"Werden neben den herkömmlichen Emissionen auch die Prozessemissionen bei solchen politischen Instrumenten berücksichtigt, so sind diese Maßnahmen doppelt so wirksam und können den Großteil der Mehremissionen anderswo verhindern", so der Grazer Ökonom. Der Anreiz für die Fabrikanten, im Ausland sauberer zu produzieren, könnte erhöht aber auch durch die Verlagerung von umweltschädigenden Fabriken in Entwicklungs- und Schwellenländer gebremst werden.














