Wenn aus Frust Aggression wird
Die jüngsten Drohungen gegen Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder sind letztes Glied einer langen Aggressionskette gegen Politiker. Auch Schüsse auf die Grazer Burg gab es schon.

Foto © Kanizaj Politik als Minenfeld: Gesundheitslandesrätin Edlinger-Ploder ist jüngstes Opfer wilder Anfeindungen
Wie gefährlich lebt man als Politiker? Die schon vor dem Sommer aufgetauchten Drohbriefe gegen Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (VP), die jetzt in einer Alarmierung des Verfassungsschutzes durch die Landtagsdirektion und auch schon zu Personenschutz Edlinger-Ploders bei einem öffentlichen Auftritt geführt haben, rücken eine Schattenseite des extrovertierten Berufs als Politiker in den Fokus.
"Derartige Dinge sind ernst zu nehmen, aber die große Angst vor Attentaten brauchen wir nicht zu haben", beruhigt Eduard Hamedl, Sicherheitssprecher der steirischen VP. Der ehemalige Polizist hat selbst schon mehrmals "wilde Mails von frustrierten Bürgern, die sich nicht ernst genommen fühlen" (Hamedl) bekommen.
Ähnliche Erfahrungen haben auch fast alle Mitglieder der steirischen Landesregierung schon gemacht. So kann sich Agrarlandesrat Hans Seitinger sogar an Morddrohungen erinnern, die er vor sieben Jahren im Zuge der Vogelgrippe-Aufregungen erhalten hatte. Der spektakulärste Fall liegt allerdings schon mehr als drei Jahrzehnte zurück: Im Wahlkampf 1980 feuerte ein Unbekannter aus dem Grazer Burggarten mehrmals Richtung Landeshauptmannbüro.
Weniger glimpflich ging im November 2003 ein Schussattentat auf Bürgermeister Johann Straner im Gemeindeamt von Fohnsdorf aus. Straner überlebte mit Glück, wie 1987 auch Kärntens Landeshauptmann Leopold Wagner, der von einem Schulfreund angeschossen wurde oder der heutige deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, der seit einem Attentat 1990 im Rollstuhl sitzt. Ein trauriger Höhepunkt: Im Regionalparlament im Schweizer Kanton Zug erschoss 2001 ein Amokläufer 14 Politiker.
Aufrüsten in Amtsstuben
Derartige Vorfälle führen immer wieder zu verschärften Sicherheitsvorkehrungen in öffentlichen Gebäuden. So laufen seit den Briefbomben-Serien Mitte der 1990er-Jahre sämtliche Postsendungen an das Land Steiermark durch ein Paketdurchleuchtungsgerät, im Landtag gibt es seit 2008 eine Sicherheitsschleuse wie auf Flughäfen und aktuell werden die Bezirkshauptmannschaften mit neuen Telefon-Alarmanlagen ausgerüstet und für die Grazer Burg ein neues Sicherheitskonzept erarbeitet.











