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Zuletzt aktualisiert: 04.10.2012 um 05:42 UhrKommentare

"Tierversuche sind gefährlicher Humbug"

Der Arzt Christian Probst meint: "Von Mäusen auf Menschen zu schließen kann tödlich sein." Rektor Smolle: "Wir haben keine Wahl." Ein Schlagabtausch zum Welttierschutztag.

Foto © AP

Vieles wäre es wert am heutigen Welttierschutztag zum Thema gemacht zu werden: qualvolle Schlachttiertransporte, Legebatterien, Schweine in Kastenständen, Singvogelfang - aber eben auch die Praxis der Tierversuche. Zwei Jahre lang war der Grazer Psychiater und Neurologe Christian Probst Mitglied der Ethikkommission in Wien. Sie entscheidet auch über Tierversuche, bei denen neue Arzneimittel getestet werden.

Seine Erlebnisse in diesen zwei Jahren und während seiner Zeit als Arzt am Grazer Klinikum, als er selbst noch nicht zugelassene Medikamente an Patienten testen musste, haben Probst klargemacht: "Tierversuche sind sinnlos und gefährlich für den Menschen." Sie würden Ärzten wie Patienten nur ihre natürliche Scheu gegenüber medikamentösen Therapien nehmen.

"Dass Tierversuche der Sicherheit des Menschen dienen, ist ein Aberglaube, der wissenschaftlich nicht begründbar ist", behauptet Probst. Man könne bei der Wirkung einer Substanz weder von einer Maus auf eine andere schließen, geschweige denn auf den Menschen. Noch dazu, wo Labortiere speziell herangezüchtet würden und Tests unter sterilen Bedingungen ablaufen. Umweltfaktoren, die auf jedes andere Lebewesen einwirken, würden völlig außer Acht gelassen.

Probst: "Es ist wissenschaftlicher Humbug, zu glauben, Tierversuche könnten vorhersagen, wie ein Mittel beim Menschen wirkt. Das wollen nur die glauben, die ihr Handeln rechtfertigen wollen." Am Menschenversuch würde am Ende kein Weg vorbeiführen.

Keine andere Wahl

Tierversuche - also nicht nur eine sinnlose Quälerei von Millionen Tieren, sondern auch noch gefährlich für den Menschen? Ein Standpunkt, den Josef Smolle, Rektor der Grazer Med-Uni, die selbst Tierversuche durchführt, ganz und gar nicht teilt. "Dass neue Medikamente erst für Menschen verwendet werden dürfen, wenn sie sich in Tierversuchen als wirksam und verträglich erwiesen haben, ist ein ethisches Grundgebot", so Smolle. 99 Prozent der Medikamente würden es erst gar nicht über die Hürde des Tierversuchs schaffen: "Nun stellen Sie sich vor, man würde gleich direkt am Menschen testen!" Es stünde aber auf einem anderen Blatt, das - was beim Tier wirksam sei - noch lange nicht beim Menschen wirken müsse. Smolle: "100 Prozent Sicherheit gibt es nie, aber deshalb schnallen wir uns im Auto trotzdem an."

Für Probst haben Tierversuche einzig und alleine einen Sinn: Bereicherung. "Labors, Zucht von Millionen Versuchstieren, Medikamente, es geht um Riesensummen." Allen voran profitiere die Pharma-Industrie. "Sie will die Bürger glauben machen, alles getan zu haben, um Schäden abzuwenden. So kommt sie aus der Produkthaftung. Deswegen sind Ärzte, Patienten, Krankenhäuser so hoch versichert", so Probst. Um Heilung ginge es erst gar nicht, sondern um Funktionsherstellung: "Der Mensch muss rasch wieder arbeitsfähig sein."

Ein Standpunkt, über den Smolle den Kopf schüttelt. "Ohne Tierversuche wäre die Behandlung eines Magengeschwürs immer noch eine verstümmelnde Operation." Heute genüge eine Woche medikamentöse Therapie. Außerdem dürften neue Medikamente erst dann verkauft werden, wenn ihre Wirksamkeit erwiesen sei, "und das bedeutet in vielen Fällen Heilung. Ich denke an Infektionen, auch an Krebsformen, die noch vor wenigen Jahrzehnten zum Tod geführt haben und die heute vielfach geheilt werden", so Smolle. Zudem sei die Linderung von Symptomen eine hilfreiche, tröstende Aufgabe, wie in der Palliativmedizin.

In einem Punkt sind sich die Wissenschaftler einig: "Dass Heilung mehr ist, als Arzneimittelgabe, Krankheit mehr als Biomechanik", wie Probst es ausdrückt. Diese Erkenntnis habe in der Ausbildung inzwischen längst Einzug gehalten, erklärt Smolle. "Absolventen der alten Fakultät, zu denen auch Dr. Probst gehört", so der Rektor der Med-Uni, hätten sich dieses Wissen oft erst lange nach dem Studium erworben. "Die heutige Medizinische Universität hat das längst in die Ausbildung mit einbezogen."

ALICE SAMEC

FAKTEN

Am 8. Mai 1931 wurde beim Tierschutzkongress von Florenz für den 4. Oktober der erste "Welttierschutztag" proklamiert. Tierfreunde gedenken des Heiligen Franz von Assisi, der am 3. Oktober 1226 starb. Der Gründer des Franziskanerordens war wegen seiner Tierpredigten berühmt. Er hat am 4. Oktober Namenstag.

Tiersegnung in Eggenberg: Am Samstag, 6. Oktober 2012, lädt Pfarrer Wolfgang Schwarz alle Tierfreunde ein, mit ihren Haustieren zu einer Tierreise in die Allerheiligenkirche in Eggenberg zu kommen. Zur Kirche führt ein kurzer Fußweg, der Allerheiligenweg. Nach einem kleinen Gottesdienst werden alle Tiere gesegnet.

Tierschutz-Flohmarkt Am Sonntag, 7. Oktober, findet von 10 bis 15 Uhr am Ikea-Parkplatz beim Center West in Graz ein Benefizflohmarkt statt, veranstaltet von der IG Tierschutz. Auch Tierschutz-Ombudsfrau Barbara Fiala-Köck stellt sich in den Dienst der guten Sache. Der Erlös geht an "Kleine Wildtiere in großer Not", die "Igelstation Gössler" und den Tierschutzverein Judenburg.

Der Aktive Tierschutz feiert: Der Aktive Tierschutz feiert heute sein 35-jähriges Bestehen. Die Feier beginnt um 11.30 Uhr. Um 11.45 Uhr werden die ehrenamtlichen Spaziergänger geehrt, es gibt ein Hundefutter-Wettheben mit Otto Wanz, um 12.30 Uhr wird der originellste Mischlingshund gewählt. Für passende Musik sorgen die Edlseer und Marlena Martinelli.

"Tierische Freunde" Der Verein "Tierschutz macht Schule" ruft Schulklassen auf, gemalte, gezeichnete oder gebastelte Bilder zum Thema "Tierische Freunde" einzureichen. Es soll um Tierschutz, also Respekt und Begeisterung für Tiere gehen. Das Siegermotiv ziert ab März 2013 den Uhu-Stick. Alle Infos unter www. tierschutzmachtschule.at

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