Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
26. Mai 2013 10:56 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
"Hollywood bettet keinen auf Rosen" Kleine Zeitung Rätsel: Gefragte Straßen Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Nachrichten aus Graz und Umgebung Nächster Artikel "Hollywood bettet keinen auf Rosen" Kleine Zeitung Rätsel: Gefragte Straßen
Zuletzt aktualisiert: 01.10.2012 um 21:30 UhrKommentare

Lederhosen, Leidenschaft und Lava

"Broadlahn", die klügste Weltmusikband von Texas bis da, ist 30 Jahre jung. Ernst Huber, der so nachdenkliche Vordenker, über billigen Ruhm, teure Freundschaft und das beste Heilmittel.

Ernst Huber (rechts oben) und "Broadlahn" geben übermorgen ihr Jubiläumskonzert im Grazer Orpheum

Foto © http://www.broadlahn.at/HELMUT TEZAK Ernst Huber (rechts oben) und "Broadlahn" geben übermorgen ihr Jubiläumskonzert im Grazer Orpheum

ERNST HUBER . . . über den Fehlstart seiner Band anno 1982: Geiger Philipp Rottensteiner kannte ich ja schon aus der Zeit, als wir noch im katholischen Studentenheim in Graz kaserniert waren. Wir probten in einem Trio so Folkzeugs und Songs aus den 70ern und 80ern und wollten unser erstes Konzert in Gaishorn geben, aber just an dem Tag kam Philipps Tochter zur Welt, also mussten wir absagen. An seiner Tochter sehen wir also immer, wie alt die Uridee von "Broadlahn" und wir selber sind.

. . . über den Bandnamen: Die Broadlahn ist eine Alm in Kleinsölk, wo kürzlich unsere Jubiläumstour startete. Ab 14 Uhr spielten wir, drei Minuten nach dem Schlusston ging die Sonne unter. Urige Leute waren da, es gab Krapfen und Steirerkas, herrlich!

. . . über neue Heimatgefühle: Seinerzeit haben Studentenkollegen die Straße gewechselt, wenn ich Provinzler in Graz mit der Lederhose unterwegs war. Heute hauen sich selbst jene, die keine wie immer geartete Verbindung zur Volkskultur haben, in die Lederne und laufen Trends hinterher. Ich sage nur "Aufsteirern".

. . . über mediale Steuerung: Es ist erbärmlich, mit wie wenig Substanz man Berühmtheitsjunkies beliefert. Scheinbare Wichtigkeit wird nur noch in Zusammenhang mit oberflächlicher Qualität wahrgenommen, und die Medien steuern dabei heftig mit, wie der ORF als Bedeutungsverleihungsanstalt, als neuzeitlicher Kaiserhof. Es gibt in unserer Zeit so eine Habermas'sche Unübersichtlichkeit, aber kaum jemanden mehr, der kompetent beurteilen kann, was wesentlich ist und was nicht. Qualitäts- und Wertebewusstsein sind einfach verschwunden.

. . . über Lederhosenmusik à la Gab . . ier: Der Name sollte hier gar nicht vorkommen. Eine arme Haut, die die Lawine irgendwo hinschwemmt und die gar nicht weiß, wie ihr geschieht. Solche Hypes nehmen den Menschen die Fähigkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Es gibt eine Szene in Jim Jarmuschs "Night on Earth", in der eine Hollywood-Managerin in ein Taxi steigt und in der Taxlerin genau jene Figur sieht, die sie für den nächsten Film braucht. Die aber lehnt mit den Worten ab: "Keine gute Idee, bei mir läuft's gerade so gut". Ein schönes Beispiel, sich nicht ablenken zu lassen vom dummen Markt und seinem Getöse.

. . . über den Reiz des Ruhms: Natürlich ist die Bestätigung durch das Publikum eine Droge, aber sie vernebelt bloß das echte Leben und macht die meisten zu aufgezwirbelten Lackaffen. In unserer Band hat jeder in seinem Beruf angefangen, ich als praktischer Arzt, weil wir auf andere Erfahrungen neugierig waren. Das hat wiederum unserer Musik sehr genützt. Unsere Utopie ist, dass unsere Musik von allen Seiten zugänglich ist, dass wir den Bauarbeiter oder die Krankenschwester genauso erreichen wie Intellektuelle. Nicht zufällig spielen wir liebend gern in Hieflau, Weng, Untergrimming, überhaupt in lauter Unter... und Nieder...orten, weil die Leute dort am besten spüren, was wir sind und wollen - dort lebt unsere große außermediale Karriere (lacht).

. . . über den Rand der Welt: In Paradiesen wie Kleinsölk oder in Weißenbach an der Enns, wo ich ordiniere, spielen urbane Rituale keine Rolle, da gibt es ganz grade Beziehungen und besondere Qualitäten, ob bei Lebensmitteln oder im Handwerk. Ich bin nicht so kurzsichtig, nur Loblieder auf das Landleben zu singen, aber der Reiz der Peripherie ist groß. Herbert Zand, Autor aus Knoppen bei Aussee, hat ja einmal richtig geschrieben: "Kein Punkt kann als Zentrum angesprochen werden ohne die Peripherie.".

. . . über Dichter. Ich liebe von John Berger bis zu H. C. Artmann und von Lars Gustafsson bis zu William Carlos Williams viele Autoren und verwende bei meinen Moderationen oft Texte auch von Nobelpreisträgern - allerdings immer im Dialekt. Und noch nie hat jemand ein Zitat erkannt. Das sagt viel über soziale Codes aus. Dazu passend: Als seinerzeit die ersten Urlauber in unsere Gegend kamen, schwärmten sie den Bauern vor: "Was für wunderbare Farben!" Und die Bauern antworteten erschrocken: "Aber des is ja der Wald!"

. . . über Ermunterer: Friedrich Gulda, Bert Breit, Werner Pirchner, Ernst Jandl haben uns immer wieder in unserem Tun ermuntert. Und natürlich Joe Zawinul: Für eine blöde ZDF-"Wintergaudi machten wir Playback-Aufnahmen in der Silvretta. Zawinul sah die Übertragung in seiner Badewanne im Wiener Hilton und rief einen Freund an, wer denn "Broadlahn" seien. So kam's 1995 zum Kontakt. Wir nahmen mit dem "Zawinul Syndicate" den "Erdäpfelblues" auf und Heinrich Isaacs Madrigal "Innsbruck, ich muss dich lassen". Wir spielten auch live mit ihm beim Jazzfest Wien. Zawinul war ja ein echtes Musiktier, das hatte etwas Meteoritisches für uns, das war Lava.

. . . über das aktuelle Tourprogramm: Es wird ein Querschnitt durch die Jahre, mit aktuellen Konnotationen. Und im Wiener Konzerthaus werden wir mit Willi Resetarits, der wirklich ein großer Chansonnier ist, im "American Songbook" blättern.

. . . über 30 Jahre "Broadlahn-Ehe": Die Leidenschaft für die Musik ist eine starke Klammer, aber du musst natürlich auch handfest streiten können. Die Freundschaft zu meinen Bandmitgliedern gehört zum Schönsten in meinem Leben, und wenn dann auch noch ein Konzert glückt, ist das Heilung für mich. INTERVIEW: MICHAEL TSCHIDA

"Broadlahn" live: 4. Oktober, 20 Uhr, Orpheum Graz. Karten: Tel. (0 31 6) 8008-9000. 25. Oktober, 20 Uhr, Konzerthaus Wien, mit Willi Resetarits. Weitere Termine auf www.broadlahn.at


Fakten

Broadlahn, gegründet 1982 als "Four in One". Konzerte in ganz Europa.

Besetzung: Ernst Huber (voc, g, steirische harmonika), Josef Ofner (g, voc), Christian Seiner (b, voc), Reinhard Grube (sax, cl, fl, p), Philipp Rottensteiner (vl, mandoline, voc), Franz Schmuck (dr, perc, voc).

CD-Tipp: "Vom Rand der Welt". Extraplatte (2007).

Babys aus der Region

Fotos aus dem Bezirk

Stammtischcup in Graz 

Stammtischcup in Graz

 


Bezirkswetter

  • Sonntag, 26. Mai 2013
    • Min: 8°C
    • Max: 17°C
    • Nsw.: 70%
    Regenschauer
  • Montag, 27. Mai 2013
    • Min: 7°C
    • Max: 16°C
    • Nsw.: 55%
    Regenschauer
  • Dienstag, 28. Mai 2013
    • Min: 9°C
    • Max: 21°C
    • Nsw.: 35%
    Bewölkt

KLEINE.tv

CL-Finale: Fußball wie vor einem Jahrzehnt

Es war eine kleine Fußball-Zeitreise im Grazer Casineum: Wie in alten Ze...Noch nicht bewertet

 

Steirische Faschingsnarren

Kanizaj

Am Faschingsdienstag ließen es sich unzählige Verkleidungskünstler trotz eisiger Kälte nicht nehmen, in ihre kreativen Kostüme zu schlüpfen.

 
Auch Ihr Foto soll hier erscheinen? Schicken Sie es uns via Upload!
 

Hochzeiten/Jubiläen

 
Auch Ihr Foto soll hier erscheinen? Schicken Sie es uns via Upload!
 

Steirer des Tages

Ein Händedruck mit Messi
Kennen Sie auch jemanden, der Besonderes leistet? Dann schreiben Sie uns!

Leserfotos aus dem Bezirk

 
Auch Ihr Foto soll hier erscheinen? Schicken Sie es uns via Upload!
 

Todesanzeigen

Todesanzeigen aller steirischen Bezirke.

Events der Umgebung

Sie kennen ein tolles Event? Empfehlen Sie es uns!
 
Sie haben auch eine Meldung? Werden Sie Leser-Reporter und schicken Sie uns Ihre Texte!
 

Aboangebot

APA

Ihre Kleine kommt mit den Nachrichten von daheim auch nach Wien.

Wallpaper

 

Kontakt

So erreichen Sie die Grazer Stadtredaktion: Adresse, E-Mail & Telefon.



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang