Ein Drama, das zum Wiehern ist
Die Geschichte eines beispiellosen Rachefeldzuges, von hinten aufgezäumt: "Staatsfeind Kohlhaas" als KUG-Kooperation.

Foto © LUPI SPUMA Michael Kohlhaas mit seinen "Pferden"
GRAZ. Es sind die beiden geschundenen Rappen, die von der völlig aus dem Ruder gelaufenen Selbstjustiz ihres Züchters Michael Kohlhaas erzählen - vom Pochen auf Gerechtigkeit, von schweren Enttäuschungen und schließlich von rasender Wut.
Kleists 1810 veröffentlichte Novelle "Michael Kohlhaas", 1999 von István Tasnádi für die Bühne adaptiert, kennt man als spröden (Deutschunterrichts-) Stoff. Da tut es zunächst gut, dass Regisseur Stefan Behrendt die Zügel locker lässt und für rasantes Tempo und komödiantische Auflockerung sorgt. Köstlich, wenn Kohlhaas' Feinde begeistert DJ Ötzi und "De Randfichten" singen (die Musik des Bösen, eh klar), oder wenn der schwer verletzte Knecht sich mittels Scharadespiel verständigt. Hauptsächlich schadet der Klamauk aber der Intensität: Einlagen wie Nonnencomedy à la "Sister Act" oder ein gar sehr verschrobener, Apfelmus aus dem Glas löffelnder Martin Luther treiben es zu bunt. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Aus den durch die Bank talentierten jungen Schauspielstudenten der Grazer Kunstuniversität stachen der überzeugend rasende Dominik Jedryas (Titelrolle), das stolz schnaubende Pferdeduo Claudia Kainberger und Josef Mohamed und das - wenn auch inflationär eingesetzte - Klamaukduo Lukas Stöger und Christian Neuhof heraus. NINA MÜLLER
"Staatsfeind Kohlhaas". 6./15./31. 10.; 6., 15./20. 11., 20 Uhr, Schauspielhaus, Probebühne, Graz. Tel. (0 31 6) 80 00.















