Von Klischees und Kontexten
Roma-Künstler und ihre Strategien gegen Stereotypen, andere Karten des Urbanen und Kunst, die sich im Netz allzu vieler Bezüge verheddert. Weitere Ausstellungen im steirischen herbst.

Foto © HERBSTSelbstverteidigung im Medienturm
Die meisten Medien, die Roma in Bildern präsentieren, sind mit der Erwartung konfrontiert, etwas ,Zigeunertypisches' aufweisen zu müssen", schreibt André J. Raatzsch, Roma und Protagonist der Ausstellung "Reclaiming Identity", als einer, der sich mit der "visuellen Repräsentation" der Roma intensiv auseinandergesetzt hat.
Die Schau, Teil der von der Akademie Graz organisierten Romale12! (wir berichteten), bietet reiches Anschauungsmaterial zu "Aktivistischen Strategien der Roma-Kunst". Gewissermaßen als komplexe Innensicht von Prozessen der (Selbst)Identifikation.
Zeichnung, Malerei, Fotografie, Objekte, Video sind Mittel, mit welchen Künstler der größten europäischen Minderheit gegen Vorurteile und Stereotypen angehen. Und vor allem zeigen, dass es das eine Roma-Bild nicht gibt, Hoffnungen und Probleme so vielfältig sind wie bei anderen Gruppierungen. Noch einmal Raatzsch: "Es müssen unterschiedlichste Bilder gleichzeitig existieren, nur die Rezipienten können entscheiden, ob sie der Wirklichkeit entsprechen oder nicht."
Räume
"Kollektives Mapping" stand im Zentrum eines Workshops mit der argentinischen Gruppe Iconoclasistas (iconoclasistas.com.ar), Spezialisten für die Erstellung alternativer Kartografien. Was an mehreren Tagen im Grazer Stadtraum an Abkürzungen und Bruchlinien, an Problem- und Hoffnungszonen (manchmal ein und dasselbe) gefunden wurde, zeigt die Ausstellung zum von Reni Hofmüller koordinierten Projekt "demo graz ya!"
Gezeigt wird, dass von im steirischen herbst präsenten Städten wie Bogotá, Medellín, Caracas (die vermutlich allesamt glücklich wären, "nur" die Probleme von Graz zu haben) gelernt werden kann - Offenheit, der Mut, um Ecken zu denken, starre Raster zu verlassen. Und dass Verbesserungen oft keinen großen Aufwand erfordern.
Buchstabe
Den Einsatz von Küchenutensilien zur Selbstverteidigung führt das Pariser Künstlerkollektiv Claire Fontaine vor. Mit trockenem Humor. Was ihr Video über "veränderte geopolitische Strukturen und Verwerfungen des Finanz- und Kreditsystems" aussagt, muss noch überdacht werden.
Auch die anderen Arbeiten von "Realness Respect" drängen sich als Hilfen, den Kontext, in den sie gestellt sind, eine echt komplizierte Realität, wenigstens ein bisschen dechiffrieren zu helfen, nicht auf. Santiago Serra ließ in Graz ein P aus Holz zersägen (von einem echten Arbeiter!). Es ist Teil eines "großen Wortes" mit zwölf Buchstaben (Lösung am Jahresende). Da anderswo bereits ein T zersägt wurde, ist zumindest klar: "Pumpernickel" ist es nicht.
Features
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Urbane Kommunikation in der ESC Foto © HERBST
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Roma-Kunst in der Akademie Graz Foto © HERBST















