Kunsthaus zeigt Pistolettos "Cittadellarte"
Das Grazer Kunsthaus zeigt im Rahmen des "steirischen herbstes" die Ausstellung "Cittadellarte - Teilen und verändern", die eine Art Kunststadt im Museum, die sich durch das Publikum weiterentwickelt, zeigt.
Quelle © cittadellarte_digi120924.jpg | Foto: KLZ Digital Cittadellarte: Die Stadt im Kunsthaus
Die Arbeit geht von Michelangelo Pistolettos Projekt im italienischen Biella aus. Bei der Camera Austria stellt die russischen Künstlerin Anna Jermolaewa durch einen Film und zahlreiche Fotos ihre Sicht auf Kuba als gesellschaftlichen Raum zur Diskussion.
Im Kunsthaus ist die Ausstellung auf "Space 1" schon von weitem zu riechen, besteht die aufgebaute "Stadt" doch aus frischen Fichtenholz, das zu unterschiedlichsten Objekten gefügt wurde. So gibt es einen Platz in der Mitte mit Tisch und Sesseln ebenso wie einen stilisierten Wald oder zahlreiche Wände mit Fotos oder Texten. "Es ist keine Ausstellung, sondern ein Projekt, das versucht, das Leben zu integrieren", erklärte Katrin Bucher Trantow, eine der Kuratorinnen, bei der Presseführung am Freitag. Man habe überlegt, "was kollektives Handeln in der Gesellschaft darstellen könnte", und dementsprechende Stadtelemente errichtet.
"Cittadellarte" ist ein kollektives Netzwerk, das von Michelangelo Pistoletto 1998 in seiner Heimatstadt Biella bei Turin gegründet worden ist und stetig weiterentwickelt wurde. Diese "Kunststadt", in der es Nachhaltigkeit, schonenden Umgang mit Ressourcen und soziale Gerechtkeit gibt, wurde als Ausgangpunkt für die Arbeit im Kunsthaus genommen. Die Künstler greifen dabei aktiv in die Stadt ein und versuchen mit der Bevölkerung, aber auch mit ihren Partnern zu kooperieren. So möchte sich das steirische Straßenmagazin "Megaphon" mit dem afrikanischen Journal "Chimurenga" verbinden, und der "Verein zu Rettung weggeworfener Fahrräder" sowie die Grazer Fahrradwerkstatt "rebikel" entwerfen ein Lastenrad für eine kolumbianische Gruppe. Sogar der Katalog zeigt das ständige Weiterentwickeln der Ausstellung: Bisher gibt es nur die Einleitung in einem Umschlag mit Gummibändern, wo der Besucher selbst weitere Kapitel einheften kann.
Auch bei der Camera Austria geht es um die Weiterentwicklung eines Projektes, das allerdings bis Februar nächsten Jahres angelegt ist. Insgesamt sollen sieben Künstlerinnen und Künstler unter dem Leitmotiv "Art Is Concrete" - in Anlehnung an das "herbst"-Motto "Truth Is Concrete" - in einem leeren weißen Raum fotografische Arbeiten zeigen. Den Anfang macht Anna Jermolaewa mit "Nostalgia". In ihrem Film, der dem kubanischen Schwarz-Weiß-Streifen "Soy Kuba" nachempfunden ist, zeigt sie das heutige Kuba als letzte Möglichkeit, einen Blick auf diese Form des Sozialismus zu werfen. "Gerade Russen fahren dorthin, es ist wie eine Rückkehr in die Kindheit", schilderte sie bei der Presseführung. Sie hat an der Längsseite eine Reihe kleiner Fotos nebeneinander montiert, der Film läuft zeitlich versetzt in drei Monitoren am Boden, wobei dazwischen auch immer wieder eine Sequenz aus dem Originalstreifen zu sehen ist.














