Ärzte und Blutegel retten drei Finger
Alexander verlor drei Finger, da er in den Rasenmäher griff. In neunstündiger OP wurden sie replantiert - eine medizinische Meisterleistung. Denn an einer so kleinen Hand mit noch kleineren Gefäßen wurde eine solche Replantation noch nie gemacht.

Foto © XPRESS Chirurg Michael Schintler (rechts) rettete Alexanders Finger, Mama Manuela Schmied wacht an seinem Bett
Er lacht mit den Krankenschwestern, er kuschelt mit seiner Mama: Nur der dicke Verband an Alexanders rechter Hand lässt erahnen, was dem kleinen Mann, der gestern seinen dritten Geburtstag hatte, passiert ist. Zehn Tage ist der Unfall nun her - Alexanders Mama, Manuela Schmied, erinnert sich genau.
"Ich habe bei meiner Mutter in Mariazell Rasen gemäht", erzählt sie. Sieben Kinder - drei Buben, vier Mädchen - hat die Landwirtin, Alexander ist der Zweitjüngste. Als die Mutter den Grasbehälter ausleerte, muss eines der Kinder den elektrischen Rasenmäher gestartet haben, vermutet die Mama - und Alexander kam mit der Hand zwischen die Schneideblätter. "Ich habe ihn nur schreien gehört und die blutige Hand gesehen", erzählt Manuela Schmied. Die oberste Kuppe von Alexanders Ringfinger wurde ganz abgetrennt - sein Vater fand sie unter dem Rasenmäher. "Der Mittelfinger hing nur noch an einem Hautfetzen und auch der Zeigefinger war schwer verletzt", erzählt Schmied weiter.
Gemeinsam mit ihrem Mann brachten sie Alexander zuerst ins LKH Mariazell, von dort ging es gleich mit dem Hubschrauber an die Kinderchirurgie des LKH Graz. "Neun Stunden haben wir operiert", sagt Operateur und plastischer Chirurg Michael Schintler. Und dabei eine kleine Sensation geschafft, denn: An einer so kleinen Hand mit noch kleineren Gefäßen wurde eine solche Replantation noch nie gemacht. "Wir waren an der Grenze des Machbaren", sagt Chirurg Schintler - doch für Alexander wollten sie es probieren. Und jetzt, zehn Tage nach dem Eingriff, können Schintler und sein Team sagen: Es hat funktioniert.
Blutegel als kleine Helfer
Dass Alexander wieder alle fünf Finger an seiner Hand hat, ist auch kleinen Helfern zu verdanken: Um einen Blutstau in Alexanders kleinen Fingern zu vermeiden, wurden nämlich Blutegel angesetzt. "Das Blut kommt zwar in die Finger, kann aber noch nicht richtig abfließen", erklärt Schintler - diese Aufgabe übernahmen insgesamt mehr als 100 Blutegel. Für die Egel-Therapie braucht es Betreuung rund um die Uhr, denn die Egel müssen richtig angesetzt und überwacht werden.
"Alexander ist so tapfer", schwärmen auch die Schwestern von ihrem kleinen Patienten, "er hat kein einziges Mal geweint." Ganz im Gegenteil: Interessiert schaut er zu, wie die Egel ihre Arbeit machen - und freut sich, dass er schon in ungefähr einer Woche nach Hause auf den Hof seiner Familie nach Schladming darf.













