Architekt Martin Zechner über seine "Gürtelschnalle"
Das Golddach vor dem Hauptbahnhof mausert sich zum neuen Wahrzeichen, Hunderte Leser schicken Namensvorschläge ein, manche kritisch motivierte. Architekt Martin Zechner über seine "Gürtelschnalle".

Foto © KKArchitekt Martin Zechner
Herr Architekt, Graz spricht über Ihr "Goldenes Dachl" vor dem Hauptbahnhof und sucht einen Spitznamen dafür. Was war die Motivation, dieses Ufo hier zu landen?
MARTIN ZECHNER: Es ging vor allem um funktionelle Anforderungen. Wir mussten so viele weit auseinanderliegende Punkte witterungsgeschützt verbinden - vom Bahnhofseingang über die Haltestellen von Bus und Straßenbahn bis zur Annenpassage. Daraus ergab sich die Eiform. Das Ufo ist eine Folge der Löcher, durch die wir eine Reduktion der Dachfläche erreichen wollten. Es ist immer noch ein sehr markantes Bauwerk, aber jetzt schwebt es ein bisschen wie ein Ufo über dem Platz. Das Gold ist erst durch die Namenssuche über Ihre Zeitung so ein Thema geworden.
Die Leser der Kleinen Zeitung haben Namen wie "Goldauge", "Goldkreisel" aber auch "Nagl-Reindl" vorgeschlagen. Welcher Name wäre Ihnen am liebsten?
ZECHNER: Das habe ich mir nicht überlegt. Aber der Arbeitstitel, der während der Projektphase picken geblieben ist, war Gürtelschnalle: Wegen der Form und weil es am Gürtel liegt.
Auf keinem der Pläne war die Goldfarbe zu sehen ...
ZECHNER: Diese Farbwahl ist sehr spät getroffen worden. Weil das Dach mit den umliegenden Häusern eigentlich nichts zu tun hat, das Objekt sehr eigenständig und dann Teil der Platz- und Grünraumgestaltung ist, sollte diese Farbe die besondere Stellung unterstreichen.
Das Gold sieht man aber nur von oben, Passanten haben nichts davon. Luxus, oder?
ZECHNER: Es stimmt, man sieht es nur von den umliegenden Bürogebäuden und Hotels aus. Aber ist man ein bisschen weiter weg, sieht man über die Kante. Dann reflektiert es das Licht, leuchtet und bekommt eine eigene Aura.
So mancher unserer Leser kritisiert, dass das Dach die historische Bahnhofsuhr verdeckt. Eine Panne?
ZECHNER: Nein, auch das haben wir uns bei der Planung lange angesehen. Weil die Bahnhofshalle mit dem großen Fenster und der Uhr ja fast ein Archetyp ist - wie ein Modelleisenbahnhof -, haben wir darauf besonders geschaut. Das große Loch im Dach soll auch den Blick auf die Uhr frei halten. Von wichtigen Punkten wie Annen- oder Keplerstraße aus ist das auch gelungen.


















