Neckermann hat sich operativ gefangen und sucht Partner
Die Liquidität sei derzeit gesichert. Vorstand: "Es geht uns nicht hervorragend, aber den Umständen entsprechend sehr gut." Entscheidung über die Annahme des Sanierungsplans steht im Herbst bevor.

Foto © FuchsNeckermann in Graz
Spätestens am 22. Oktober, wenn es vor dem Grazer Handelsgericht um die Annahme des Sanierungsplans geht, will und muss die Neckermann Versand Österreich AG (NVÖ) "auf eigenen Füßen" stehen, so Vorstandsvorsitzender Thorsten van der Velten. Bis dorthin - Masseverwalter Norbert Scherbaum spricht von Ende September - soll ein Partner mittels Share- oder Assetdeal an Bord sein und das insolvente Versandhandelsunternehmen mit seinen fast 300 Mitarbeitern neu durchstarten.
Nach der Pleite der deutschen Mutter meldete NVÖ Ende Juli - ohne Überschuldung - Insolvenz an und suchte um ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung mit einer 20-prozentigen Quote an. Dies deshalb, weil man im schwierigeren Insolvenzverfahren in Deutschland, das sich jetzt erst in einem Vorstadium befindet, nicht unter die Räder kommen wollte, erläutert van der Velten im APA-Gespräch: Schon seit April hatte man in Graz daran gearbeitet, den bis zu 70-prozentigen Warenbezug von der Mutter schrittweise zu kompensieren, durch den Ausbau des eigenen Einkaufs, die Intensivierung des Trachtengeschäfts, wo man Marktführer ist, und durch die Suche nach Partner für Direktbelieferungen. Ziel war und ist es, den Versandhandel bis 2013 aus eigener Kraft bewerkstelligen zu können.
Liquidität
Die Liquidität konnte einerseits durch einen neu abgeschlossenen Factoringvertrag, anderseits durch einen Kontokorrentkredit der Hausbank RLB OÖ über 2 Mio. Euro, um Schwankungen im Geschäftsbank abzufangen, bis Ende November sichergestellt werden. Dazu erzielte man eine Einigung mit dem Vertriebspartner Post AG, der mit einer Bankgarantie in der Höhe von 400.000 Euro und der sofortigen Begleichung neuer Rechnungen zufriedengestellt wurde.
"Es geht uns nicht hervorragend, aber den Umständen entsprechend sehr gut", bilanziert der Vorstand nach fünf Wochen Fortführung. Die Insolvenzmeldung habe die Kunden schon verunsichert, doch "wir liefern, machen Umsätze und keine Verluste", bestätigt Masseverwalter Scherbaum. Gemeinsam konzentriert man sich auf die Investorensuche: "Das kann ein Finanzinvestor sein, ein strategischer Partner, der die Rolle der Mutter übernimmt, oder auch ein stationärer Partner, den unsere Online-Schiene interessiert", so van der Velten. Ob die Übernahme in Form eines Share-Deals mit der Übertragung der Anteile seitens der deutschen Mutter oder einem Asset Deal über eine Auffanggesellschaft erfolge, sei sekundär: "Ende Oktober wollen wir das Unternehmen als Ganzes veräußern." Dass der Investor zumindest 6 Mio. Euro für die Sanierung mitbringen müsse, wird nicht bestätigt. Markenrechtliche Probleme sieht man keine.

















