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Zuletzt aktualisiert: 29.08.2012 um 06:12 UhrKommentare

Fischer "phisht" wieder frische Daten

Betrüger haben es via E-Mail wieder auf sensible Daten von Tausenden Steirern abgesehen. Zahl solcher "Phishing-Attacken" hat sich laut Polizei seit 2011 verdreifacht. Häufiger Absender: Harald Fischer.

Foto © PiChris - Fotolia

Betrügerische Datenfischer haben in diesen Tagen wieder ihre Angel ausgeworfen. Sie tarnen sich als Sicherheitsexperten von Kreditkartenunternehmen und fordern in E-Mails einmal mehr Tausende Steirer auf, ihnen sensible Bank- oder Kreditkartendaten zu übermitteln. Dass sich der Absender dieser so genannten "Phishing Mails" derzeit häufig als ein gewisser "Harald Fischer" ausgibt, ist da schon fast Verhöhnung des Gegners. Dass diese Art von Internetbetrug nun immer häufiger vorkommt, ist eine Tatsache - wie Silvia Strasser vom Bundeskriminalamt bestätigt: "Im ersten Halbjahr 2012 hat sich die Zahl der angezeigten Internet-Kriminalitätsdelikte auf 4293 Fälle verdoppelt, die Zahl der angezeigten Phishing-Attacken ist sogar um 300 Prozent gestiegen."

Dazu kommt, dass "die Betrüger offensichtlich immer professioneller vorgehen und ihre Methoden immer gefinkelter werden", erklärt Reinhold Schranz vom Europäischen Verbraucherschutzzentrum, das auf der Seite www.europakonsument.at aktuelle Internet-Betrugsfälle auflistet.

Mastercard Kundenservice

Derzeit flattern immer wieder Mails eines vermeintlichen "Mastercard Kundenservice" herein (versehen mit verschiedenen Mastercard-Kontaktdaten, unterzeichnet von Herrn Fischer), wonach die Kreditkarte aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde und nur wieder entsperrt werden könne, wenn der Adressat seine geheimen Daten übermittle. Wer auf den Link klickt, kommt auf eine Seite, die jener der tatsächlichen Mastercard-Webseite zum Verwechseln ähnlich sieht - wo man schließlich zur Eingabe von Konto- und Kundendaten aufgefordert wird.

Fakten

Was ist Phishing und wo lauern die Gefahren?
Phishing (Kunstwort aus Passwort und fischen). Via E-Mail berichten Betrüger fälschlicherweise von neuen Sicherheitsrichtlinien bei Bank X oder Kreditkartenfirma Y und versuchen, den Adressaten auf eine von ihnen betriebene Seite zu bringen, wo Bank- oder Kreditkarten-Daten eingegeben werden sollen. Spear-Phishing (Speerfischen) ist eine Sonderform. Dabei knacken Betrüger E-Mail-Daten des Opfers und senden dessen Bekannten bzw. Arbeitskollegen Mails, wonach man im Ausland ausgeraubt worden sei, und bittet sie um Geldzusendungen.

Gauner werden geschickter
Waren derartige "Phishing-Mails“ anfangs leicht an ihrem gebrochenen Deutsch oder einer amateurhaft gebauten Internetseite zu erkennen, so werden die Betrüger mittlerweile professioneller. Sie bauen seriöse Seiten täuschend echt nach.

Verdächtige Mails löschen
Banken und Kreditkartenfirmen predigen es: Sie fordern Kunden niemals per Mail zur Eingabe von sensiblen Daten wie Passwörtern oder Kontozugangs-Codes auf. Daher: Verdächtige Mails löschen und nicht auf angeführte Seiten-Links klicken – damit könnte man sich nämlich Schadsoftware (Viren, Trojaner) einfangen.

Auf Details achten
Oft sind gefälschte Seiten an Rechtschreibfehlern oder einer Adresszeile, die nichts mit dem eigentlichen Unternehmen zu tun hat, erkennbar. Seriöse Internetseiten sind an dem Adress-Kürzel "https“ und einem Schlüsselsymbol erkennbar. Immer gilt: Kontoauszug und Abrechnungen kontrollieren.

Vorfall melden oder anzeigen
Visa (phishing@visa.com) und Mastercard (stopit@mastercard. com) haben Adressen, bei denen man verdächtige Mails melden kann. Ebenso die Polizei: against-cybercrime@bmi.gv.at Bei Banken gibt's Hotlines: (Steiermärkische: +43 (0)50100-20815, Raiffeisen +43 (0)599-38038)

"Finger weg!" warnen hier sowohl AK-Konsumentenschützerin Bettina Schrittwieser als auch Angela Szivatz von Paylife, jener Firma, die für die Zahlungsabwicklung von Mastercard und Visa zuständig ist. "Keine Bank und keine Kreditkartenfirma verlangt sensible Daten per Mail", erklärt Schrittwieser.

Bei Paylife arbeite eine ganze Sicherheits-Armada, die ungewollte Abbuchungen entweder verhindert oder bei Unregelmäßigkeiten mit Kunden in Kontakt tritt, verrät Szivatz. Mittlerweile hätten Mastercard & Co. auch bereits rechtlich genug Möglichkeiten, um verdächtige Seiten schnell sperren zu lassen. Dennoch appelliert sie in Sachen Datensorgfalt im Netz auch an den Hausverstand der Menschen: "Es würde ja auch niemand seine Wohnungsschlüssel außen stecken lassen, nur weil ein Hausmeister gesagt hat, er komme zum Putzen vorbei."

Mailzugang geknackt

Aber Phishing spielt sich längst nicht mehr nur mit Kreditkarten oder Bankdaten (auch bei der Steiermärkischen Sparkasse bestätigt man den Anstieg von Phishing-Angriffen) ab. Es häufen sich auch hierzulande bereits Fälle von ganz gezielten Angriffen (siehe oben "Spear-Phishing"), bei denen die Betrüger den Mailzugang eines ausgewählten Opfers knacken. Und sobald das Opfer beispielsweise auf Facebook verkündet, es sei auf Urlaub, versenden sie an dessen Bekannte Mails, man sei im Ausland ausgeraubt worden. "Das hat eine neue Dimension", sagt Schranz, "wenn man glaubt, der Bekannte ist in Notlage, ist man eher bereit, Geld zuzuschicken."

Polizei rüstet auf

Im Kampf gegen die Internet-Gaunerei rüsten nicht nur Banken und Konsumentenschützer ihre Expertenteams auf, sondern auch die Polizei. "Es gibt jetzt ein bundesweites Cybercrime-Kompetenzzentrum, das von aktuell 17 auf bald 50 Experten, die international vernetzt arbeiten, aufgestockt wird", so Strasser. Doch auch an der Basis, in den Regionen und auf Bezirksebene, würden Polizeibeamte zu IT-Experten geschult.

Laut Schrittwieser werden indes steirische Internetnutzer in Bezug auf "Phishing" zwar immer vorsichtiger, "aber es wird immer welche geben, die reinfallen". So fühlen sich laut aktueller Market-Umfrage 80 Prozent der heimischen Nutzer im Internet sicher. Und das, obwohl schon fast jeder Zweite online mit einem Betrug konfrontiert war.

ULRICH DUNST

Kommentar

ULRICH DUNSTFaule Diebe von ULRICH DUNST

Hände weg von Gewinnversprechen !

Derzeit kursieren vor allem per Mail wieder fragwürdige "Notarsschreiben", wonach man einen Millionengewinn in bar ausbezahlt bekomme.

Tipp: Sofort löschen! Wenn jemand einmal auf ein solches Schreiben reagiert, "wissen die Betrüger, dass es die Adresse gibt und dann kommt die ganze Maschinerie in Gang", berichtet AK-Konsumentenschützerin Bettina Schrittwiesier.

Bevor man jemals Geld sehe, müsse man "Steuern", "Verwaltungsgebühren", "Depotgebühren", "Agentenprovision" zahlen. Einem Steirer wurden auf diese Weise 20.000 Euro herausgelockt.

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