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Zuletzt aktualisiert: 24.08.2012 um 20:53 UhrKommentare

Ein Sommer, extrem in jeder Beziehung

Rekordwerte bei Temperatur und Niederschlag, Unwetter mit Millionenschäden und Hitzewellen mit Tropennächten haben diesen Sommer geprägt. Eine Bilanz.

Knochentrocken und tropisch heiß ist es derzeit in weiten Teilen der Steiermark. Die für dieses Wochenende erwarteten Regenfälle verhindern aber einen  Niederschlags-Minusrekord - Schwere Regenfälle, Murenabgänge und Hochwasser haben im Juli für Naturkatastrophen gesorgt. Die Schäden gehen in die Millionen.

Foto © Fuchs | APKnochentrocken und tropisch heiß ist es derzeit in weiten Teilen der Steiermark. Die für dieses Wochenende erwarteten Regenfälle verhindern aber einen Niederschlags-Minusrekord - Schwere Regenfälle, Murenabgänge und Hochwasser haben im Juli für Naturkatastrophen gesorgt. Die Schäden gehen in die Millionen.

Einmal noch schwitzen. Am Samstag ist, zumindest für den Grazer Zentralraum und den Süden und Osten des Landes, noch einmal heißes Sommerwetter angesagt. Mit aus dem Nordwesten kommenden Regenfronten geht die diesjährige Hitzeperiode aber an diesem Wochenende zu Ende - und damit ein Sommer der Extreme. Höchsttemperaturen in Rekordnähe und Starkniederschläge mit apokalyptischen Naturkatastrophen als Folge, haben in den vergangenen 100 Tagen regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt.

Der Trend geht weg vom gemütlichen Landregen

Gottfried Kirchengast, ist Klimaforscher am Grazer Wegener-Zentrum

Hitzewellen und Unwetterkatastrophen nehmen auch in unseren Breiten zu: Wird beim Wetter das Extreme bald zur Normalität?
GOTTFRIED KIRCHENGAST: Wenn wir von unserem jetzigen wissenschaftlichen Wissen über den Klimawandel ausgehen und dieses Wissen aus unseren Datenanalysen, physikalischen Einsichten und Modellberechnungen zusammennehmen, dann nimmt gerade im Sommer die Wahrscheinlichkeit für derartige Ereignisse zu. So ist im Vergleichszeitraum seit 1970 in den vergangenen zwei Jahren ein Anstieg bei Hitzewellen und bei der Dürre-Neigung zu beobachten.

Gibt es eine Erklärung dafür?
KIRCHENGAST: Die global gesteuerte Klimaerwärmung ist gerade im Mittelmeerraum zu spüren. Dieser "Hotspot" reicht bis südlich der Alpen und damit auch in die Steiermark. So hat die durchschnittliche Sommererwärmung in der Südoststeiermark seit den 1970er-Jahren um rund drei Grad zugenommen, die mittlere globale Erwärmung nur um knapp ein Grad.

Mit welchen Folgen?
KIRCHENGAST: Die Böden sind vermehrt schon vor den Sommermonaten ausgetrocknet. Wenn dann im Hochsommer die Verdunstung weiter zunimmt, kann Dürre einsetzen. In diesen heißen Sommern gibt es aber nicht unbedingt weniger Niederschlag - es gibt nur abruptere Wechsel und es kommt öfter zu Starkregen und dadurch leichter zu Überschwemmungen. Der Trend geht dabei weg vom gemütlichen Landregen hin zu größeren Mengen in kürzerer Zeit. Der Sommer 2012 reiht sich in das langfristige Bild ein, das wir haben.

Ist der Klimawandel bei uns angekommen?
KIRCHENGAST: Die Änderungen sind gesamthaft betrachtet zunehmend vom globalen Klimawandel getrieben. Das steht außer Zweifel.

Wohin führt das noch?
KIRCHENGAST: Genaue regionale und lokal differenzierte Prognosen würden den Bogen der vorhandenen Daten und Modelle überspannen, aber es zeigt sich allein auf Basis der Daten der letzten 15 Jahre, dass es so in puncto Emissionen nicht weitergehen kann. Auch wenn die Luftverschmutzung die Erwärmung derzeit um bis zu einem Drittel dämpft, steigt der Handlungsbedarf. Panikmache hat zwar noch nie etwas gebracht, aber beherzte Maßnahmen werden immer dringender.

Schon im Juni überstrahlte eine erste Hitzewelle das Land. In Deutsch-Altenburg wurde ein neuer Österreich-Rekord für Juni gemessen (37,7 Grad), auch am Sonnblick in über 3000 Meter Seehöhe gab es am 30. Juni mit 15,3 Grad die bislang höchste gemessene Temperatur. Zwei Tage später vermeldete auch Graz einen neuen Rekord: Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1836 sank die Temperatur über 24 Stunden nie unter 22,3 Grad. Ein klassischer Hitzetag, wie er in den Statistiken der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik für den heurigen Sommer noch weitere 28 Mal (einschließlich Samstag) ausgewiesen wird. Rekord ist das zwar noch keiner - 2003 gab es in Graz 41 Hitzetage -, aber der heurige Sommer liegt zumindest deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre (11,5 Tage).

Rekordregenfälle im Juli

Abgelöst wurde der von Wolken freigeräumte Himmel aber immer wieder von rabiaten Schlechtwetterfronten, die vor allem im Juli für nasskühles Wetter sorgten. So firmiert dieser Monat an gewissen steirischen Messstationen (zum Beispiel Weiz, Zeltweg, Neumarkt, Oberwölz) als der regenreichste seit Aufzeichnungsbeginn. Umgekehrt hätte es im August beispielsweise in Gleisdorf fast für einen Minusrekord gereicht. Die für dieses Wochenende erwarteten Regenfälle verhindern den Superlativ allerdings.

Die Extremereignisse des zu Ende gehenden Sommers in der Steiermark passen sich fugenfrei in eine Entwicklung ein, die den Globus insgesamt in Atem hält. Dürrekatastrophen in den USA und Afrika stehen Überschwemmungen in Asien und Australien gegenüber.

Entspannung ist mittelfristig keine in Sicht. "Dieser Trend wird sich in den kommenden Sommern fortsetzen", prognostizieren Experten wie Gottfried Kirchengast vom Alfred-Wegener-Zentrum in Graz (siehe Interview links).

KLAUS HÖFLER, MARIO ZINHOBLER

Bäder top, Seen flop

"Was man im Saisonkartenverkauf bis spätestens Mitte Juni verliert, holt man über den Sommer nicht mehr auf", zieht Klaus Leutgeb, Betreiber des Schwarzl-Freizeitzentrums in Unterpremstätten südlich von Graz, eine ernüchternde Sommerbilanz. Nach einem verregneten Juli setzt er zwar noch Hoffnung in die Nachsaison. Das Gesamtergebnis wird nach dem "Desastersommer 2011" (Leutgeb) aber auch heuer knapp 30 Prozent hinter dem Spitzenwert von 2007 liegen. Ähnlich bilanziert man bei der Freizeitinsel Piberstein in der Weststeiermark: "Uns haben im Juni und Juli je zwei Wochen gefehlt."

Gewinner des unsteten Wetterverlaufs sind die Freibäder. So weisen die in der Holding Graz zusammengefassten Grazer Bäder ein Sommerplus von 15 Prozent auf 290.000 Gäste aus. Allein im August wird es ein Plus von 20 Prozent geben.

Landwirte: Einbußen

Von einem "schwierigen Jahr" spricht Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski. Und das ist noch untertrieben, zumindest was die Getreideernte betrifft. Ist man in der Trockenphase im Frühjahr und den unerwarteten Frosteinbrüchen im Mai noch mit einem "blauen Auge" davongekommen, haben die schweren Hagelunwetter im Juni und Juli zu Schäden von knapp 14 Millionen Euro geführt. Es gab Ernteausfälle von fast 100 Prozent. Österreichweit wird die Getreideernte wegen des Wetters um rund ein Viertel geringer ausfallen als im Vorjahr.

Unbeschadet scheinen die steirischen Winzer davonzukommen. So spricht Erwin Sabathi von einem "perfekten Verlauf". Die Juli-Niederschläge würden die extreme Trockenheit im Juni und August ausgleichen. Jetzt hofft man auf eine ungestörte Lese-Periode im Herbst.

Millionenschäden

St. Lorenzen im Paltental steht wie kein anderer Ort für die Naturkatastrophen dieses Sommers. Nach heftigen tagelangen Regenfällen zerstörte am 21. Juli eine meterhohe Schlamm- und Gerölllawine weite Teile des Orts. In seiner Dimension eine einzigartige Zerstörung, aber kein singuläres Phänomen in diesem Sommer. Erst Ende dieser Woche sorgte ein Murenabgang im oberen Murtal für Schäden und Verwüstung.

Insgesamt 3300 Schadensfälle sind bisher in den offiziellen Statistiken geführt. Gesamtschaden: Mehr als 50 Millionen Euro. Zudem haben Vermurungen, Rutschungen und Überschwemmungen an Landesstraßen nach Berechnungen des Verkehrsressorts des Landes bisher Kosten von rund zwei Millionen Euro verursacht.

Lichtblick in der Katastrophenkulisse: Spendenkonten verbuchten Rekordergebnisse.

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