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Zuletzt aktualisiert: 24.08.2012 um 07:15 UhrKommentare

Millionenpleite, Klagen und Vorwürfe gegen Bank

Ein gefeierter Grazer "Anleger-Guru" baute mit Kundengeldern Millionenverlust und ging in Konkurs. Der Staatsanwalt ermittelt, es hagelt Anzeigen. Auch eine Bank steht unter Beschuss.

Die Spekulation mit Medizintechnik-Aktien ging schief. Das noble Bankhaus Krentschker hat nun Erklärungsbedarf

Foto © Fotolia/K.-U. Häßler Die Spekulation mit Medizintechnik-Aktien ging schief. Das noble Bankhaus Krentschker hat nun Erklärungsbedarf

Der Grazer Vermögensberater Karl Steinberger galt jahrelang als Geheimtipp unter reichen Steirern: Mit sagenhaften Renditen im zweistelligen Prozentbereich machte er als "Anleger-Guru" von sich reden. Doch das vermeintlich sichere Geschäft endet jetzt in einer fulminanten Pleite. Steinbergers "KST Vermögensverwaltung AG" ging nach Millionenverlusten in Konkurs, der Staatsanwalt ermittelt wegen Untreue und Betrugs.

Weil Steinberger bei Kunden so beliebt war, hat die Pleite gewaltige Ausmaße. Das Konkursverfahren listet Forderungen über 5,74 Millionen Euro auf. Der wahre Schaden könnte noch höher liegen, da wohl auch Schwarzgeld veranlagt war, das jetzt nicht zurückgefordert werden kann. Indiz dafür: KST hatte 350 Kunden, aber nur 60 Geschädigte meldeten Forderungen an.

Prominente verloren Geld

Der Fall spielt in höchste Kreise. So haben etwa der Bauunternehmer Hans-Werner Frömmel, der Zahnarzt Michael Ruckenstuhl oder die Vizerektorin der Pädagogischen Hochschule, Renate Gmoser, jeweils mehr als 300.000 Euro verloren. Zurückbekommen werden sie fast nichts: Masseverwalterin Ulla Reisch hat diese Woche eine Konkursquote von nur 6,22 Prozent bekannt gegeben.

Denn Steinbergers AG hatte zwar zwischenzeitlich mehr als 50 Millionen Euro Kundengelder an der Börse investiert, wies aber nach der Pleite kaum Vermögenswerte auf. Steinberger selbst wohnt dagegen in einer geräumigen Villa am Grazer Ruckerlberg, was für viel böses Blut sorgt.

In einem gewaltigen Prozessmarathon werden jetzt die brisanten Hintergründe der Affäre ausgeleuchtet. Steinberger hat das Risiko nicht breit gestreut, sondern fast alles auf eine einzige Aktie gesetzt, nämlich jene von Intercell. Anwälte sehen darin eine Sorgfaltswidrigkeit. Kunden erheben sogar den Vorwurf, der "Guru" habe Zugang zu Insiderinformationen gehabt.

Steinberger selbst, für den die Unschuldsvermutung gilt, stellt dies in Abrede. "Ich war sehr gut informiert, aber diese Informationen waren allen zugänglich", sagt er. Die Firma Intercell habe damals ein Impfstoffpflaster entwickelt und Wirkstoffe gegen Krankenhauskeime gehabt. Das weltweite Umsatzpotenzial sei auf mehrere Milliarden Euro geschätzt worden. Als sich diese Pläne zerschlugen, kam es zur Finanz-Implosion. Der Kurs der Aktie stürzte von über 30 Euro auf zwei Euro ab. Steinberger investierte dann noch rasch in Alternativenergie und Bankaktien, hatte aber auch dort Pech.

Kritik an Krentschker-Bank

Daneben gibt es auch sehr delikate Fragen rund um Depotgebühren und Bankspesen. In diesem Zusammenhang hagelt es Vorwürfe gegen Steinbergers Hausbank, das Grazer Bankhaus Krentschker, und speziell gegen dessen Ex-Vorstand Michael Vollath, der bankintern für die KST-Geschäfte zuständig war. Bei Krentschker wurden 350 Depots für KST-Kunden geführt. Ein Anleger schildert, er habe sich bei Vollath über zu hohe Spesen beschwert, sei aber barsch aus dem Büro geworfen worden. Vollath selbst bestreitet dies.

Zwischen Steinberger und Krentschker dürfte es mit der Zeit zu erheblichen Zerwürfnissen gekommen sein. Angeblich wollte Krentschker die Firma KST mehrmals übernehmen, wogegen sich Steinberger wehrte. Laut Steinbergers Darstellung habe Krentschker von den Kunden deutlich überhöhte Kontogebühren verlangt, nämlich 100 statt 25 Euro pro Jahr. Als er für seine Kunden die Senkung der Gebühren begehrte, habe man ihm eine "Provision" angeboten, falls er auf die Gebührensenkung verzichte. Steinberger: "Ich habe das natürlich abgelehnt, aber damit habe ich mich nicht sehr beliebt gemacht bei der Bank."

Krentscher-Vorstandsvorsitzender Georg Wolf-Schönach will diese Vorwürfe nicht kommentieren, schießt aber seinerseits scharf: Die Entscheidung, die KST in die Insolvenz zu führen, "war selbst für uns überraschend und unverständlich". Steinberger habe sich "damit wohl einer Haftung entziehen wollen", so Wolf-Schönach. Allgemein sei man "betroffen" über den Fall und bedauere die Vermögensschäden. Die Verantwortung dafür liege aber allein bei Steinberger und seiner KST.

ERNST SITTINGER

Die KST-Geschäfte

Der ehemalige HAK-Lehrer Karl Steinberger gründete 1990 eine Vermögensverwaltung, war Wirtschaftskammer-Fachgruppenobmann und Sachverständiger. Er investierte jahrelang höchst erfolgreich Kundengelder und lebte gut von den Provisionen, legte seine Methoden aber nie offen. Nach dem Absturz der Intercell-Aktie kam die Pleite.

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