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    Zuletzt aktualisiert: 23.08.2012 um 09:04 UhrKommentare

    Die Pflege muss mobiler werden

    Graz wächst, die Lebenserwartung steigt. Bis vor Kurzem galt dies auch für die Zahl an Pflegeheimen - doch jüngst stiegen die Insolvenzen. Was Graz künftig braucht.

    Foto © APA

    Auf 178 Seiten steht es schwarz auf weiß: In Graz geht es bergauf. Wie die "Bevölkerungsprognose für die Landeshauptstadt Graz" verdeutlicht, wird die Zahl der Einwohner von derzeit 267.000 auf rund 289.000 im Jahr 2031 steigen. Parallel dazu wächst die Zahl der über 59-Jährigen - da sich auch die Lebenserwartung nach oben verschiebt (siehe Grafik).

    Das ist die eine Seite. Die andere hat mit Demenz und Bettlägerigkeit zu tun. Mit dem Bedarf an Pflegebetten. Meistens mit Hilfe - neuerdings aber auch mit dem "Geschäftszweig" Pflege. Und mit Insolvenzen.

    Aus Sicht der Stadt Graz ist man jedenfalls gerüstet: Derzeit betreiben die "Geriatrischen Gesundheitszentren" (GGZ) zwei Pflegeheime. Eines, jenes am Rosenhain, wird groß umgebaut, "zusätzlich entstehen in Andritz sowie auf dem Areal der früheren Hummelkaserne zwei neue Pflegeheime", weiß der zuständige Stadtrat Mario Eustacchio (FPÖ). Bis 2015 werde man so auf rund 750 städtische Plätze kommen.

    Handlungsbedarf

    Aus Sicht der Stadt sei man also für die stationäre Pflege gerüstet - umso mehr herrsche anderswo Handlungsbedarf, betont auch Gerd Hartinger, Geschäftsführer der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ). "In erster Linie muss die mobile Pflege ausgebaut werden. Wir brauchen niederschwellige Kurzzeitpflegeangebote."

    Zu diesem Schluss kommt auch eine Gruppe von Experten, der Hartinger angehörte und die sich für eine Privatstiftung mit dem Thema "Gelingendes Altern" beschäftigte (siehe links außen). "Für Betroffene ist es leichter, eine Pflegeheimaufnahme anzustreben, als ein Netz mobiler Versorgungsdienste aufzubauen", heißt es etwa in der Studie.

    Darin ist auch detailliert angeführt, was Graz in Zukunft noch braucht: Die "versorgenden Institutionen" müssten verstärkt in den Lebensraum der Senioren kommen. "Statt wie bisher alte Menschen und deren pflegende Angehörige für lange Zeit unkoordiniert und schlecht beraten sich selbst zu überlassen."

    Zu den städtischen Pflegeheimen kommen noch die privat betreuten Plätze - und dahin gehend gab es bis vor Kurzem kein Halten: Allein in Graz existieren 20 private Pflegeheime. Doch zuletzt sorgten größere Insolvenzen für Unruhe (wir berichteten). Woran das im Einzelfall lag, muss nun zum Teil die Staatsanwaltschaft klären. Rene Jonke (Kreditorenschutzverband 1870) fasst es so zusammen: "Zu rasch expandiert, zu viel investiert, die Gewinne blieben aus."

    Ja, der Pflegeboom sei vorbei, heißt es in der Branche. Das gilt womöglich nicht für Graz, warnen andere - und verweisen auf die Bevölkerungsprognose. Sowie auf den "Bedarfsplan" des Landes Steiermark: Demnach gab es im Vorjahr in Graz 1811 Pflegebetten - und bis 2020 sollen es 2724 Betten sein . . .

    MICHAEL SARIA

    Grafik

    Grafik © Kleine Zeitung

    Grafik vergrößernEntwicklung der über 59-jährigen GrazerGrafik © Kleine Zeitung

    Pflegeheime in Graz

    20 private Pflegeheime gibt es in Graz, weiß man im Büro von Landesrätin Edlinger-Ploder. Ein neues sei gerade in Bau.

    Die Geriatrischen Gesundheitszentren (GGZ) der Stadt Graz betreiben das Pflegeheim Geidorf und jenes am Rosenhain (dieses wird ausgebaut). Zusätzlich entstehen in Andritz sowie in Wetzelsdorf (Hummelkaserne) zwei neue Pflegeheime.

    Zu den GGZ gehören auch die Albert-Schweitzer-Klinik und das Betreute Wohnen am Oeverseepark.

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