Poetischer Wirbelwind unterwegs
Exzellente "Baal"-Version vom Grazer t'teig-Team.
GRAZ. Didgeridoo und Schlagzeug von "air rapide", Hüpfburg, Badewanne, Sitzsäcke und Partysessel: Der grüne Innenhof des Grazer Uni-Hauptgebäudes lädt zum Fest in Weiß, dem nichts fehlt, außer Gemütlichkeit. Mona Kospachs mit irrer Wildheit und rotzigem Gesang verkörperter Exzentriker "Baal" hält in Atem, als asozialer Ich-Mensch in einer asozialen Gesellschaft allerdings bis zur Atemnot. Mutig von Regisseur Thomas Sobotka und seinem tollen t'eig-Team Bertolt Brechts erstes, autobiografisch durchwobenes Stück, das erst in der gemilderten fünften Version Anerkennung fand, auf den Rasen zu bringen.
Wieder setzt Ausstatter Markus Boxler geniale Höhepunkte, arrangiert mit weißen Requisiten eine Lustwiese der Bohéme, schmiegt Ninja Reichert in Perlenkettengewand und bauscht Karin Gschiel neben dem Dichterjünger Alexander Koch zum Rüschenpupperl auf. An der Seite des expressiven Christian Ruck als Baals Freund Ekart schöpft Kospach aus dem Vollen, schüttet sich anstelle von Branntwein Farbe über den Leib, frisst und speit Objekte sexueller Begierde aus. Eine zerrissene Künstlerseele, die auch tiefschwarze Charakterzüge des B. B. ans Licht befördert. Mit Lyrik von Francois Villon und Versatzstücken aus allen fünf "Baal"-Versionen nimmt der Torso Fleisch an - harte Kost, sensationell zubereitet. EWS Baal. Theater t'eig. Heute, 22. bis 25., 29., 30., 31. 8.; 1., 5. bis 8. 9., 20 Uhr, Innenhof Uni-Hauptgebäude, Universitätsplatz 3, Graz. Karten: Tel. 06 50 - 266 35 80. www.theater-teig.at
















