GAK: 577.000 Euro für Gutachten
Der abgelöste GAK-Gutachter verrechnet 519.000 Euro netto (577.000 brutto) - Verteidiger bekämpfen das Honorar. Sorgenfrei arbeitet auch der neue Fußballkrimi-Sachverständige nicht.

Foto © APAGerichtsgutachter Fritz Kleiner
Gerichtsgutachter Fritz Kleiner und Staatsanwalt Johannes Winklhofer auf der einen, Rechtsanwalt Peter Bartl und Verteidiger auf der anderen Seite: Das war in der Tierparkcausa Herberstein so. Und ist es nun auch im Fall GAK. Das Gutachterhonorar ist umstritten.
Zur Erinnerung: Im Fall der "roten Teufel" reichen die Verdachtspunkte von Abgabenhinterziehung bis zu schwerem Betrug in Millionenhöhe. Es gilt die Unschuldsvermutung. Kleiner hat die Causa von 2007 an unter die Lupe genommen, Anfang 2012 schied er vorzeitig aus. Wegen der "freundschaftlichen Bande", so das Oberlandesgericht, zu einem Zeugen und späteren Beschuldigten, dem Rechnungsprüfer des Vereins. "Darauf habe ich im Februar 2011 hingewiesen", betont der Sachverständige.
Zum Nachfolger wurde Thomas Keppert (Wien) bestellt. Der Grazer Wirtschaftsprüfer stellte indes Honorare für das knapp 300-seitige erste Gutachten und diverse Ergänzungen. Umfang: 577.000 Euro brutto. Oder rund 519.000 Euro netto für 4560 Arbeitsstunden samt Nebenkosten, heißt es in Justizkreisen.
"Unerträglich"
Eine "unerträgliche Größenordnung", kritisiert Bartl. Der Verteidiger von Ex-Vize-Präsident Walter Messner hat bei Gericht Rechtsmittel eingelegt. Obwohl "unbestritten sehr viel Arbeit", so der Tenor, werde man doch nicht für ein Gutachten zahlen, das wegen Befangenheit des Erstellers nun neu gemacht werden müsse. Auch die Anwälte des beschuldigten Ex-Präsidenten Rudi Roth wollen dem Vernehmen nach die Rechnung nicht akzeptieren. Kein Wunder, bei einer Verurteilung müssen die Angeklagten in die Tasche greifen.
Kleiner wiederum meint, dass es nicht ungewöhnlich ist, wenn Verteidiger Kosten nicht akzeptieren wollen. Leistung und Aufwand seiner Kanzlei sind aber unbestritten.
Birnbachers Schatten
Inzwischen obliegt es dem neuen Sachverständigen Keppert, die Vorgänge beim ehemaligen Bundesligameister zu bewerten. Ein Ergebnis soll nicht vor Jahresende vorliegen. Überschattet wird seine Tätigkeit allerdings vom Fall des Kärntner Steuerberaters Dietrich Birnbacher und dessen abenteuerlichen Honorars für das Gutachten rund um den Verkauf von Hypo-Anteilen. Denn Keppert war einer jener Sachverständigen, die trotz der sechs Millionen Euro für Birnbacher nicht auf die Barrikaden gestiegen waren. Ihm und anderen Privatgutachtern haben entscheidende Unterlagen gefehlt.
So oder so überlegen Anwälte jetzt, Keppert wegen angeblich "mangelnder fachlicher Befähigung" auch als GAK-Gutachter abzulehnen.















