Das Handy soll für Radler tabu werden
Experten fordern 0,5-Promille-Grenze und Handyverbot auch für Radfahrer. Alkunfälle bei Radlern nehmen zu, das Ministerium will Vorschläge prüfen. Experten sollen das Thema diskutieren.

Foto © Helmut WeichselbraunEin Handyverbot auch für Radfahrer wird gefordert
Die Diskussion, losgetreten von der Wiener ÖVP, schlägt Wellen. Soll es auf Österreichs Straßen künftig strengere Regeln für Radfahrer geben? Zumindest in zwei Punkten fordern Politiker und Verkehrssicherheitsexperten das Verkehrsministerium zum Handeln auf: bei der Promillegrenze für Radler und beim Telefonieren während der Fahrt.
Anders als für Autofahrer gilt bei Radfahrern nämlich immer noch der alte Grenzwert von 0,8 Promille Alkohol im Blut. Der Grund: Die aktuelle Grenze von 0,5 Promille wurde 1998 nicht in der Straßenverkehrsordnung festgeschrieben, sondern im Führerscheingesetz. Und dieses gelte nur für Lenker von Kraftfahrzeugen, nicht für Radfahrer, erläutert Wolfgang Staudacher, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Polizei. Eine Lücke, die Verkehrsexperten gerne ausgemerzt sehen würden. "Man hat die Radler damals einfach übersehen", sagt Dieter Krainz vom Kuratorium für Verkehrssicherheit.
In einer Untersuchung ließ das Kuratorium jüngst Testpersonen alkoholisiert einen Fahrradparcours durchfahren. Mit 0,5 Promille Alkohol im Blut passierten den Radlern im Schnitt 13 Fehler, mit 0,8 Promille waren es bereits 20. Und: Die Reaktionszeit stieg um fast eine halbe Sekunde, der Anhalteweg von 3,9 auf 4,6 Meter.
Tatsächlich werde häufig unterschätzt, wie gefährlich eine Alkoholisierung auf dem Fahrrad sein kann, sagt Krainz. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Unfälle mit alkoholisierten Radlern angestiegen. Hatten im Jahr 2000 noch 2,3 Prozent aller verletzten Radfahrer in der Steiermark Alkohol im Blut, waren es im Vorjahr knapp vier Prozent. Vielen dürfte nicht bewusst sein, dass auch Radfahrer den Führerschein verlieren können.
Ähnlich bewertet Krainz das Telefonieren beim Radfahren. Anders als bei Autofahrern gilt für Radler nämlich kein Handyverbot. Für Krainz unverständlich. "Ein Handygespräch wirkt sich ähnlich aus wie 0,8 Promille Alkohol im Blut." Das Gespräch lenkt ab, Ampeln und Fußgänger werden übersehen, die Verkehrsgeräusche gehen hinter dem Telefonat unter. "Der Mensch ist leider absolut nicht multitaskingfähig", sagt Krainz.
Während die Diskussion für den Dachverband der Radlobbys nur eine "Missachtung der eigentlichen Verkehrssicherheitsprobleme" und ein "Radlerbashing" ist, ist Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) gesprächsbereit. Experten sollen das Thema im Verkehrssicherheitsbeirat diskutieren und ein Gesamtpaket vorlegen. "Damit soll der Radverkehr sicherer und noch attraktiver werden", so ein Sprecher.
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